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Jacobe von Baden : ein Trauerspiel in 5 Aufzügen
Entstehung
Seite
97
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97Gehorsam gehn den schweren Pfad der Pflicht.Was meine Jugend unbesonnen fehlte,Das laß mich fühnen wie ich es erkannt,Und möchten dann die stolzen JugendträumeMir nicht verwirren mehr den festen Sinn!Wenn ich auch zu der hohen Burg der WahrheitHandlangend trage nur den kleinen SteinSeh' ich auch jede Fürstenthat bedingt:So hoff' ich doch in meinem LebensfeldeDie schöne Rose edler MenschlichkeitMit treuer Hand, mir sorgsam zu erzieh'n.Erleichtert fühl' ich das gedrückte HerzMir ist als trügen lichte EngelschwingenMich fort zu Bergeshöh'n — des Kerkers BandeSie fallen ab von den befreiten HändenZum Nachtgebet will ich sie kindlich hebenUnd meinen Feinden, möge Gott verzeih'n!(Jacobe knieet nieder vor dem Kruzifix, mit erhobenem Antlitzbetend:)„Vergieb uns uns're Schuld, wie wir vergeben unsern— Amen.Schuldigern“(Einige Augenblicke bleibt Jacobe mit tief gesenktem Hauptebetend knieen, dann steht sie auf, beugt sich einathmend über dieRose und tritt dann hinter den Vorhang, der das Schlafzimmerbezeichnet.)Sechste Scene.(Das Orchester spielt ein passendes Adagio und die Musik dauertfort bis zum Eintritt der Mörder.)(Es ist Nacht, die Lampe verlöscht, Mondlicht schimmertbleich durch die hohen Fenster. Tiefe Stille auf der Bühne,man hört nur hier und da durch die Klänge der Musik dasTickenz des großen Perpentikels an der Wanduhr. Mit demAufhören der Musik schlägt die zwölfte Stunde.