XIV VORREDE ZUR ZWEITEN AUSGABE
das niederdeutsche angrenzenden landschaften: von allen alten t ist inder spräche des liedes nur noch eins, die Verdoppelung in tliid d. i. thitwie alts. für thitt mhd. ditz erhalten, gerade wie im Anno, im Erfurterjudeneid C, 10, im Athis, bei Ilerbort von Fritslar und sonst, WGrimmaao. s. 15 (vgl. unten über die Xantener gl.), nach den wenigen Über-resten des zweiten leispiels der mischpoesie des X/XI jh. in der Cam-xbridger hs. (zs. 14, 494/".) war der dialekt dieses gedichts noch ent-schiedener hochdeutsch (vgl. exe. zu XVIII), 1 gröuonot, 5 sag ic thir,. . liz, 6 uuerell, 7 also unolcan in themo liumele, 8 Quod ips;i regnat,credo iti humele so scono. riehisot dare angil .... r . . zi uuare, 9 uuemir — mir, 10 her — sal. jene tatsache ist nicht ivohl erklärlich, wennnicht im neunten jh. das hochdeutsche in den mitteldeutschen landschaften,wenigstens in den höheren kreisen, schon festeren fufs gefasst oder dieUmbildung der mnndart ins hochdeutsche raschere fortschritte gemachthätte, darin aber ist ein Wirkung des fränkischen des achten und neun-ten jh. anzuerkennen.
Sobald die verschiedenen deutschen stamme im reich Karls des grofsenzu einer politischen und religiösen einheit verbunden wurden, konnteauch für die spräche die entwickelung zu gröfserer einheitlichkeit nichtausbleiben, darauf führte schon das bedürfnis des reichs. zunächst diefränkischen mundarten am Main und Mittelrhein in der mitte des da-maligen Deutschlands erlangten damit eine hervorragende bedeutung unddurch ihre geographische Stellung soioohl als ihre ganz damit überein-stimmende sprachliche beschaffenheit waren sie berufen ein bindegliedzwischen dem norden und süden abzugeben, in ihrem ganzen habitusÜberwiegend hochdeutsch hielten sie doch dadurch, dass sie die tenuis kim anlaut, die einfachen mediae b und g überall und wenigstens nochim anlaut das tli, zum teil auch das alle d bexoahrten, die mitte zwischenden rauheren oberdeutschen und den noch ganz auf der alten lantstufeverharrenden niederdeutschen mundarten; so auch in ihrem wortvorratund wortgebrauch, und einwirkung und aneignung, entlehnung und Um-tausch icar für sie nach beiden seilen hin leicht, aus ihnen gieng diekarlingische hofspräche hervor, die spräche des höheren lebens, dessenmiltelpunkt der kaiserliche hof war, das ihm von allen seiten zustrebteund wiederum von ihm ausstreute, gegen die volksmundarten war dieneue spräche noch weniger abgeschlossen als später das mittelhochdeutsche,geschweige denn das neuhochdeutsche, und ihr abstand nach unten hinwar wohl nur gering, eine neue litteratur und poesie, die ihr festig-keit, abgeschlossenheit und gleichmäfsige ausbildung gegeben hätte, blühtenicht mit ihr auf. daher kommt es, dass kaum ein denkmal in allensprachlichen merkmalen mit einem andern völlig übereinstimmt und fastjedes die spräche in einer andern gestalt zeigt, eine glcichmäfsigkeit inden grammatischen formen ward nicht erreicht und alte und neue er-scheinen im gebrauch neben einander, nicht einmal die Orthographieund lautbezeichnung stellte sich fest: sie artete nach ort und zeit ver-schieden, roie die spräche selbst, tritt eine mischung ein, wie in dem.