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1 (1924)
Seite
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hielt mit der maßlos frechen Polemik gegen den Dichter Graf Platen,der den erfolgreicheren Kollegen durch Witzeleien über seine jüdischeHerkunft gereizt hatte. „Die Dreistigkeit darin geht sehr weit," meinteselbst Varnhagen (26. Januar 1830), „und ohne Hehl ist die entschie-denste demokratische Richtung ausgesprochen; das Buch ist gleich-wohl nicht verboten."

Mit dem 4. Teil der „Reisebilder" aber, die im Januar 1831 unter■dem Titel „Nachträge zu den Reisebildern" erschienen, wurden auf denBerliner Zensurämtern eigene Aktenfaszikel über Heinrich Heine an-gelegt. Inzwischen hatte die französische Julirevolution stattgefunden,die der deutschen Behörden Empfindlichkeit gegen jede „demokratischeRichtung" gewaltig steigerte, ebenso aber auch den herausforderndenMut der oppositionellen Literatur, die von der Wirkung der Julirevo-lution auf Deutschland Überschwängliches erwartete. Campe wollteden Schlußband auswärts, jedenfalls in Altenburg, drucken lassen; alser ihn aber der Zensur vorlegte, stieß er auf soviel Bedenken, daß eres abermals vorzog, durch Ausdehnung des Textes die gesetzliche Vor-aussetzung für Zensurfreiheit zu schaffen. Heine war also in der glei-chen Notlage wie beim 2. Band; er mußte wieder „eine Menge Zinnin den Guß werfen" und fügte zur Fortsetzung seiner italienischenReisebeschreibung „Die Stadt Lucca" noch die „Englischen Frag-mente". Da aber das Manuskript trotz aller Weitläufigkeit des Satzesund Kürze der Druckseiten noch immer nicht reichte, mußte er inletzter Stunde ein „Schlußwort" liefern. „Sie haben keinen Begriff,"klagte er am 30. November 1830 dem Freunde Varnhagen, „wie sichalles Verdrießliche bei mir anhäuft, wie die naßkalten Besorgnisse sichmir ans Herz legen und alle Feuerblumen darin verlöschen machen!In dieser Stimmung habe ich diese Tage noch einen Schluß zu meinemBuche geschrieben — denn mein Verleger, der mein Buch in Sachsendrucken läßt und mir versichert hatte, es ginge dort alles durch dieZensur, kommt plötzlich mit der Nachricht, daß es doch nicht ganzder Fall sei, und ich mußte noch einige Arien einlegen und noch einFinale schreiben, um 20 Bogen zu füllen." In dem Schlußwort selbstheißt es: „Es fehlen mir noch einige Oktavseiten, und ich will deshalbnoch eine Geschichte erzählen," und nun folgt die wunderbare Ge-schichte von dem Hofnarren Kunz von der Rosen, der, trotz seinerJakobinermütze, seinen gefangenen Kaiser im Kerker aufsucht undtrösten möchte und zuletzt, als der Kaiser ihn fragt, wie er, wiederfreigelassen, seine Treue belohnen solle, antwortet: „Ach! lieber Herr,laßt mich nicht umbringen." Unter diesem Kaiser verstand Heine dasdeutsche Volk in der politischen Knechtschaft jener Zeit und unterdem treuen Schalksnarren niemand anders als sich selbst.

Dieser 4. Teil der „Reisebilder" war kaum in Berlin angekommen,als der Vorsitzende des preußischen Oberzensurkollegiums, der Ge-