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1 (1924)
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HEBBEL 384

Daran schloß sich der Ärger mit der „Agnes Bernauer". Laubehatte wohl das Bedürfnis, den Dichter für deren Ablehnung zu ent-schädigen, und im Herbst 1853 verabredete er mit ihm eine abermaligeNeubearbeitung der „Genoveva". Die Titelheldin wurde in Magellonaumgetauft, Golo in Bruno, der Pfalzgraf Friedrich in einen Rhein-grafen Sigurd, alles, was sonst noch den Theaterbesuchern auf dieNerven gehen konnte, beseitigt, und als „Magellona" vermummt konntedas Werk endlich am 20. Januar 1854 auf dem Burgtheater erscheinen,während auf dem Theater an der Wien Raupachs „Genoveva" ohneAnstoß gegeben werden durfte. Diese Quälerei griff Hebbel so an,daß er an Gelbsucht erkrankte und graue Haare bekam! Obendreinwurde das Stück nach sechs erfolgreichen Aufführungen wieder abge-setzt. Die kirchliche Opposition dagegen ruhte nicht, und Laube mußtesie gelten lassen, nachdem der Reiz der Neuheit zu versagen begann.

Was durch die mehrfachen Bearbeitungen, denen Hebbel der Zen-sur wegen seine „Genoveva" unterwerfen mußte, aus dem ursprüng-lichen Werk geworden war, beleuchtet am besten die von Kuh erzählteAnekdote: Als Hebbel einige Wochen vor der Aufführung bei demOberstkämmerer Grafen Lanckoronski sich einfand, da bemerktedieser in höflicher, halb entschuldigender Weise gegen den Dichter:es wolle ihn bedünken, als ob die „Magellona" mit dem vor anderthalbJahren ihm eingereichten Stücke Hebbels (nämlich der „Genoveva")einige Ähnlichkeit habe. „Allerdings nur hie und da, Herr D°ctor!"

Selbst Hebbels größtes Werk, seine „Nibelungen", entgingen derZensurschere nicht ganz. Als sie 1863 auf dem Burgtheater erschienen,erregte der Kaplan im zweiten Teil der Trilogie „gewaltigen Anstoß";er durfte zwar auftreten, aber nicht die wundervollen Worte sprechen,mit denen er in der grandiosen Schlußszene Krimhild auf den Erlöserverweist, des die Rache sei, Worte, wie sie schöner zur Verherrlichungdes Christentums und seines Stifters kaum je in einer Dichtung er-klungen sind. —

Bedarf diese „Blumenlese" aus Hebbels Zensurerlebnissen nocheiner Nutzanwendung? Sie spricht wohl eindringlich genug für sichselbst. Nicht die sprichwörtliche Gleichgültigkeit der Theaterdirek-toren oder die Stumpfheit des Publikums allein waren es, die es Heb-bels Werken unmöglich machten, zu ihrer Zeit zur vollen Wirkung zukommen. Die Beschränktheit der damaligen Zensur trägt mindestensdie gleiche Schuld daran, daß die Erkenntnis seiner Bedeutung ersteinem nachgeborenen Geschlecht vorbehalten bleiben mußte. SeineDichterkraft zu brechen, wie die Grillparzers, hat sie nicht vermocht;dazu war jene von zu überlegener Stärke. Hebbel selbst hat im Über-mut seiner Kraft das selbst einmal sehr hübsch zum Ausdruck ge-bracht. Als er im Jahre 1847 seine Komödie „Der Diamant" heraus-gab, setzte er ihr folgendes Vorwort voran: