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1 (1924)
Seite
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HARTMANN 336

gewesen wäre, wenn sie den steckbrieflich verfolgten Hochverräterhätte dingfest machen können.

Im tschechisch-deutschen Nationalitätenkampf, der sofort den Völker-haß als willfährigen Vortrupp zur Niederwerfung der deutschen Re-volution mobil machte, stand Hartmann nebst seinem Freunde Meißnertapfer seinen Mann. Dann schickte ihn die Stadt Leitmeritz als Ab-geordneten nach Frankfurt ins deutsche Parlament, zu dessen äußersterLinken, dem „Donnersberg", er sich bekannte. Als Redner trat er hiernur selten auf; aber die dem deutschen Auge völlig neue Bilder- undGestaltenfülle der Paulskirche, in der das Parlament tagte, schloß sichihm zu einem großen satirischen Gedicht zusammen, der „Beimchronikdes Pfaffen Mauritius" (Frankfurt am Main, Literarische Anstalt.1849), der einzigen bedeutenden Dichtung, mit der das Nationalerlebnisdes ersten deutschen Parlaments in der Literaturgeschichte verewigtist. Als jedoch das letzte Kapitel der heftweise ausgegebeneu „Reim-chronik" erschien, war der Traum eines einigen Deutschlands schonzerronnen, war das „Rumpfparlament", das sich vor der wieder er-starkenden Fürstenmacht nach Stuttgart geflüchtet hatte, mit Bajo-netten auseinandergesprengt, mußten die meisten seiner Teilnehmerins Ausland flüchten, Hartmann vor allen, denn er hatte im Oktober1848 in Wien mit auf der Barrikade gestanden und war nur durcheine — niemals aufgeklärte — Begünstigung seitens eines der mili-tärischen Machthaber Wiens dem Schicksal Robert Blums entgangen.An eine baldige Rückkehr ins Vaterland war jetzt nicht mehr zudenken, und sogleich setzte auch eine neue Kriminaluntersuchunggegen den „Reimchronisten" ein, der zwar auf dem Buche nicht' ge-nannt, in Frankfurt und bei den Freunden aber kein Geheimnis war.Wieder wurden die alten Eltern und die Prager Freunde inquiriert,aber diese wußten von nichts, und Hartmann hütete sich wohl, aufseinen weiten Fahrten in den fünfziger Jahren die Bannmeile derdeutschen oder österreichischen Polizei zu kreuzen. Zwanzig volleJahre hielt Österreichs nachtragender Haß gegen die ,,Achtund-vierziger" ihn von der Heimat fern. Seine Mutter starb, ohne daßer sie wiedersehen durfte; er hatte seinen Stolz niedergerungen undden Kaiser persönlich um Amnestie gebeten, um an das Krankenbettder "feuern eilen zu können. Die Antwort war zunächst ein strengesVerbot seiner sämtlichen Schriften — der Hochverräter sollteausgelöscht sein aus der Chronik der Lebenden. Und als der Bescheidendlich eintraf, lautete er: „ein so übel angeschriebenes Individuumhabe auf solche kaiserliche Gnade nicht zu rechnen!" Ein zweites Ge-such wurde gleichfalls abgelehnt. Was kümmerte es den Kaiser, wenneine sterbende Jüdin in Duschnik an der Litawka um ihren Sohnjammerte. Jene kaiserlichen Worte sind übrigens nur mündlich über-liefert, wie Hartmanns trefflicher Biograph, O. Wittner („Moritz