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1 (1924)
Seite
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HARTMANN 334

selbst ein begabter Dichter, seine Feder mehr und mehr dem Diensteiner Regierung widmete, die ihn 1837 angestellt hatte, und daher als„Renegat" galt. Zwar durfte auch die „Kölnische Zeitung" damalsnicht über die österreichische Grenze kommen, aber über das freiereUngarn wurden viele Exemplare gerade dieser Nummer eingeschwärztund das Gedicht in Abschriften außerdem allenthalben verbreitet. Die„Neueren Gedichte" (21 Bogen stark) brachten böhmische Klänge nurmehr als Lückenbüßer, um so stärker aber war das sozialpolitischeBekenntnis dieses neuen Buches, das sich den gleichartigen Poesiendes Ungarn Karl Beck würdig anreihte, wenn es auch als Dichtwerkdem Erstling „Kelch und Schwert" nicht gleichkam. Meißner war umdiese Zeit ebenfalls in Leipzig, um eine Neuauflage seiner Gedichteund den Druck seines „Ziska" vorzubereiten, mit dem er kühn in diefast schon verwehten Spuren seines Freundes Hartmann trat. AuchLandesmann-Lorm hatte an der Pleiße eine Zuflucht vor den Ver-folgungen gesucht, die ihm seine erste Schrift „Wiens poetischeSchwingen und Federn" eintragen mußte; im engsten Zusammenseinmit den Freunden, in einer gemeinsam bewohnten großen Mansardein der Reichsstraße in Leipzig, wurde sie entworfen.

Was war mittlerweile aus Hartmanns Kriminalprozeß geworden ?Davon verlautete nichts mehr. Zwei Jahre lang hatte er nun die Seinennicht gesehen, und die Nachrichten aus der Heimat beunruhigten ihnschwer: die geliebte Mutter siechte einem frühen Tode entgegen. DieSehnsucht war nicht mehr zu bändigen. Er wagte es tollkühn, sichdurchs Gebirge über die böhmische Grenze zu schleichen. „Wie demFlüchtling die Liebe wieder das Herz wärmt, als der Fink ihm denGruß der Heimat singt; wie er eine Nacht auf der Schwelle des ab-gelegenen Waldhauses rastet, wo seine erste Geliebte gewohnt; wieer einmal in eine Schenke durchs Fenster hineinspringt zu den böhmi-schen Musikanten, die er auch draußen in der Fremde so oft spielengehört, und die ,dritthalb Schritte' des heimischen Bauernreigens miteiner hübschen Dirne durchwirbelt; wie er im Morgentau, noch vordem Tage, au's Haus der Mutter kommt, alle Fenster noch geschlossen,wie er die Schwelle küßt, die ihr Fuß noch gestern berührt hat . . .wie er dann die Thränen am Bach, der am Hause fließt, abwäscht, deralte Hund auf der Schwelle ihn anwedelt, und es nun lebendig drinnenwird und die Mutter wie träumend den Unerwarteten in die Armeschließt", hat er zwölf Jahre später in dem Zyklus „Heimkehr undFlucht" (in den „Zeitlosen". Braunschweig. 1858) voll schmerzlicherErinnerung an die tote Mutter selbst geschildert. Bald aber witterteder Verrat ihn aus, mit knapper Not gelang es ihm, aus Duschnik zuentkommen, eine Meute von Häschern folgte seiner Spur; in Boden-bach fand er einen Freund, der mit ihm die Kleider wechselte, die einSteckbrief genau beschrieb, und wirklich wurde dieser Freund, ein