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1 (1924)
Seite
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333 HARTMANN

richtet die „Deutsche Allgemeine Zeitung" vom 10. Februar, „ver-langte mit der unschuldigsten Miene von der Welt ,Kelch und Schwert',und sobald man ihm das verlangte Buch reichte, gab er ein Zeichen,worauf Polizeidiener eintraten und den ganzen Vorrath in Beschlagnahmen. Ein solches Verfahren ist hier ganz unerhört und die meistenBuchhändler sind in die Falle gegangen.''

Der Verbreitung des Buches in Österreich mußte dies strenge Ver-bot natürlich empfindlich schaden, und die tschechischenÜbersetzungen,die handschriftlich in Böhmen zirkulierten, machten den Dichter zwarpopulär, fanden aber nur geteilten Beifall, denn „die echten Czechensind sämtlich russisch gesinnt", wie Meißner schon Februar 1845 ausPrag schrieb; Hartmanns Zuruf „An Deutschlands Halse wein' dichaus, An seinem schmerzverwandten Herzen" lag gar nicht in ihremSinn; hatte er auch die geschichtliche Tragödie des Tschechentumsverherrlicht, wie bald darauf Meißner in seinem „Ziska", und neigteer als Jude am wenigsten dazu, chauvinistischem Eigensinn zu huldigen,so war sein Buch doch eine entschiedene Absage an den Panslawismusund dessen rücksichtslose Propaganda, mit der beide Freunde im Re-volutionsjahr nur allzu üble Erfahrungen machen sollten. In Deutsch-land aber machte „Kelch und Schwert" seinen Weg, hier störte keinVerbot, und schon im Frühjahr 1845 erschien eine „Zweite, vermehrteAuflage" (336 Seiten) bei Carl B. Lorck, der einen Teil des Weber-schen Verlags damals übernommen hatte, weil dem Verleger der„Illustrierten Zeitung" (seit 1843), Weber, die Mittel ausgegangenwaren. Die „Böhmischen -Elegien" sind in dem Neudruck vermehrt,einige Gedichte fortgelassen und durch neue ersetzt, bei denen ein Ein-fluß von Meißners stark sozial gefärbten Gedichten obwalten dürfte. InLeipzig hatte sich Hartmann unterdes als freier Schriftsteller nieder-gelassen; er redigierte eine literarische Beilage zum „Kometen" seinesLandsmannes Herloßsohn und schrieb für die „Grenzboten" unter demPseudonym M. H. v. Geldern, dessen er sich schon in Wien als Mit-arbeiter an Frankls „Sonntagsblättern" bedient hatte. Aber die Freundein der Heimat warnten: der Kriminalprozeß gegen ihn war im Gange,und sobald Ostern 1845 sein P aß ablief, sicherte ihn nichts vor denReklamationen auch der sächsischen Polizei; Freund Meißner so 1 ltedas ein Jahr später in Dresden drastisch genug erfahren. Hartmannbegab sich daher auf Reisen, nach Belgien und Paris. Als er imSommer des nächsten Jahres wieder nach Leipzig zurückkehrte, brachteer das Manuskript einer zweiten Sammlung mit, seine „Neueren Ge-dichte", die noch im selben Jahr bei Otto Wigand in Leipzig erschienenund natürlich in Österreich ebenfalls dem Verbot verfielen. Hattedoch eines davon, als es vorher in der „Kölnischen Zeitung" erschien,schon unangenehmes Aufsehen genug gemacht. „Die zwei Federn desFreiherrn v. Zedlitz" brandmarkten die Haltung eines Mannes, der,