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Regierungen, besonders der großmächtige, keineswegs überall beliebteKaiserstaat Österreich, als Abieiter revolutionärer Blitze dienten. Dieliterarische Erörterung innerpolitischer Fragen Österreich-Ungarnsließ in der Regel selbst die preußische Zensur kalt; daher die ewigenMahnungen Wiens an Berlin, seine guten Dienste im Verbot der zahl-reichen, Preußen mißliebigen Literatur mit gleichen zu vergelten (vgl.den Artikel: Freiligrath). Zunächst richtete also Hartmann seineHoffnung auf Hamburg, und Julius Campe, der Verleger verbotenerLiteratur par excellence, schien auch zur Annahme geneigt. Zwarschrieb ihm Hartmann, politische Gedichte sollten nicht in dies sein erstesBüchlein, aber das war nur eine Finte, um die Polizei irrezuführen,denn Briefe an Hoffmann und Campe wurden vor der Absendung vonder Post an die Polizeihofstelle geliefert, wo man sich leidenschaftlichfür jeden interessierte, der mit der berüchtigten Hamburger Firma inVerbindung stand. Der Brand Hamburgs im Mai 1842 unterbrach dieVerhandlungen, und unter der Wirkung dieser Katastrophe kam eszu keiner Einigung. Nun sollte das Manuskript nach Leipzig wandern.Ignaz Kuranda, der Begründer der „Grenzboten", wollte es dorthinmitnehmen, „sobald er aber die politischen Gedichte hört, bekommt erdas Scheißen", wie sich Hartmann drastisch in einem Brief an seinenJugendfreund Alfred Meißner (Wien, April 1844) ausdrückt; er be-dankte sich für solch gefährliche Konterbande in seinem Koffer undwollte sie nachgeschickt haben. Hartmann wagte den Versuch, abervon der Post kam das Paket eröffnet zurück mit der Frage, was denndarin sei ? Ein Glück für den Dichter, daß man den Inhalt nicht be-reits näher geprüft hatte. Als guter Österreicher durfte er ja im „Aus-land" nicht eine Zeile drucken lassen, der nicht zuvor der einheimischeZensor seinen Segen gegeben hatte. Wollte er sein Buch mit seinemNamen gedruckt sehen, so blieb ihm, wie so vielen seiner Landslcute,nichts übrig, als den Staub Österreichs von den Füßen zu schütteln.Das tat er im August 1844; sein Manuskript brachte er glücklich überdie Grenze, und nun begann seine Lehrzeit als wandernder Schrift-steller. Zunächst ließ er sich in Leipzig nieder. Hier fand er inJ. J. Weber einen Verleger, und schon zu Weihnachten dieses Jahreserschien dort sein Erstlingswerk „Kelch und Schwert. Dichtungenvon Moritz Hartmann" (Leipzig, 1845). Splendid gedruckt, Schmutz-titel vor jeder Gedichtgruppe, im ganzen 326 Seiten, also nur sechsSeiten über 20 Bogen, um an der Zensur vor dem Druck herumzu-kommen. „Am Damnatur ist Gottlob nicht zu zweifeln", frohlockteam 31. Januar 1845 der kecke Freund Heinrich Landesmann, dersich bald nachher als österreichischer Zensurflüchtling HieronymusLorm nannte. Schon der „hussitische" Titel, vor allem aber derAbschnitt „Böhmische Elegien", einer der poetisch wertvollsten Teiledes Buches, der in Leipzig neu entstanden war, mußte die Wiener