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Arbeiterfrage hätte ich am wenigsten erwartet, da gerade die Bühneein Mittel bietet, das verrückte Volk aufzuklären." So mündet dasdramatische Schaffen Gutzkows da ein, von wo eine neue Literatur-bewegung und ein neuer Zeitgeist, in die sich der alte und verbitterteDichter nicht mehr finden konnte, ihren Ausgang nahmen. Aber nebenseinem letzten wie neben seinem ersten Drama stand nach wie vor derEngel mit dem Schwert, die Zensur.
(An Akten des Preußischen Staatsarchivs sind für diese Unter-suchung benutzt: Ausw. Amt Rep. IV Tit. 21 Bd. 15, Tit. 89 Bd. 1und Tit. 196 Bd. 2; Prov. Brand. Rep. 30 Berlin C Tit. 94 G 149, Tit.165 Nr. 32 Bd. 1 und Nr. 51; Rep. 76 I Gen. 6 Bd. 2; Rep. 77 I 34Bd. 1; Rep. 77 II Gen. 19 und 55 Bd. 2; Rep. 77 II Spec. G 29, F 17,H 28 und T 18; Rep. 77 VI Polit. Verdächtige G 81; Rep. 89 B I 88[1843 und 1846] ; Rep. 89 C XII 50; Rep. 101 D Gen. 57; Rep. 101 E,Lit. G 26, H 21 und T 16. Nur wenige dieser Akten hat Geiger fürsein Buch „Das Junge Deutschland und die preußische Censur" [Ber-lin 1900] gesehen; seine ganz unzulänglichen Angaben sind durchmeine obige Darstellung in allen Punkten überholt. — Benutzt wurdenferner, außer dem ein Archiv für sich bildenden Briefwechsel Gutz-kows [in meinem Besitz], die Akten der ehemals Königlichen Schau-spielhäuser Berlin und Dresden.)
HARTMANN, MORITZ (1821—1872).
Anfang der vierziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts begannin literarischen Zeitschriften ein neuer Name aufzutauchen, dessenTräger sich bald einen bevorzugten Platz unter den begabtestenLyrikern des Vormärz eroberte. Es war der junge Moritz Hartmannaus Duschnik an der Litawka. Im politischen Tierpark des FürstenMetternich, des österreichischen Staatskanzlers, waren aber solcheSingvögel verhaßte Gäste; die Stimmgabel führte hier „das Tier mithohem Ohr", der Zensor, und wer da nicht den von oben her an-gebenen Ton zu treffen wußte, dem wurde der Schnabel verlötet, wenner sich nicht eiligst in die Lüfte schwang. Schon von Hartmannsharmlosen lyrischen Erstlingen wurde dieser und jener von Wieneroder Prager Zensoren gestrichen, so z. B. sein Dithyrambus „An dieFreunde", der ihm 1842 angesichts des Adriatischen Meeres auf-gegangen war; im Tonfalle Hölderlins sang er hier von der „LastTyrannischer Willkür und ewiger Knechtschaft, Vom Leben undSchicksal uns aufgebürdet Und die wir zu tragen verdammt sind —Alle". Wie sollten vor so engherzigem Urteil seine „Gedichte einesZeitkindes" bestehen, eine erste Sammlung, mit der er sich damalstrug? Blieb also nur wieder das „Ausland", das immerhin freiereDeutschland, wo zwar jedes Bundesstäätlein seine besonderen Zensur-sorgen hatte, aber es oft gar nicht unfreundlich ansah, wenn andere