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1 (1924)
Seite
328
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GUTZKOW 328

Dialconissin" scheiterte 1852 an den Bedenken der Dresdener Inten-danz über die zu satirische Charakteristik der darin auftretenden Ärzteund Juristen und über die düstere Färbung des Ganzen, die Gutzkowsdamaliger melancholischer Lebensstimmung entsprach; er zog es des-halb zurück und verarbeitete den Stoff später zu einer Novelle. — DieRedaktion der „Unterhaltungen" zwang ihn wieder zur journalistischenBeschäftigung mit Tagesfragen, zur Beobachtung ephemerer Erschei-nungen auf politischem und sozialem Gebiet, und sein scharfes Augewar von jeher darauf eingestellt, schöpferische Ansätze von schädigen-den Zeitkrankheiten zu scheiden und die nachteilige Berührung beidermiteinander in ihren Konsequenzen zu verfolgen. Eine dieser Zeit-moden, die Gutes und Schlimmes im Gefolge hatte, war die der sozialenArbeit durch Vereine, Institute, Sammlungen, Adressen usw. Darausgestaltete er 1854 eine satirische Komödie „Lenz und Söhne". Siewurde am 20. Januar 1855 in Dresden aufgeführt. Die Peinlichkeit desKonflikts, das Abstoßende der Charaktere und der satirische Hohn desGanzen hatten zur Folge, daß der empfindliche Hof der sächsischenResidenz die Wiederholung verbot. Schon vor der Aufführung hatteGutzkow mit dem Intendanten lange Auseinandersetzungen darüber,ob ein kaufmännischer Parvenü in dem Stück den Ehrgeiz habendürfe, in die „Erste Kammer" berufen zu werden; schon damals fühltesich die sächsische Erste Kammer als eine Auswahl „erstklassigerMenschen"! — Den bedeutendsten Erfolg einer zweiten dramatischenPeriode errang Gutzkow 1856 mit seinem Schauspiel „Ella Hose" ; derWiener Zensor verlangte jedoch, daß der darin auftretende „Pfarrer"in einen „Pastor" verwandelt werde, da das Wort Pfarrer in Öster-reich ebenso wie in Süddeutschland eine spezifisch katholische Gel-tung hatte; am Rhein ist es bekanntlich umgekehrt. — In Wien wares auch, wo unter Dingelstedts Burgtheaterdirektion 1873 die Auffüh-rung eines letzten Dramas von Gutzkow scheiterte an dem Anstoß,den die doppelte Zensur des Oberhofmeisteramts und des Haus-ministeriums an der Behandlung der Arbeiterfrage nahm, der bren-nendsten Tagesfrage, an die man, wie Dingelstedt am 24. April 1873an Gutzkow schrieb, „auch im conservativen Sinne nicht rühren"durfte, hatte doch kurz vorher die Statthalterei einer Vorstadtbühnedie Aufführung des harmlosen Schwanks „Die Fabrik von Nieder-bronn" kurzweg verboten. Gutzkow zog daraufhin dies sein letztesmodernes Schauspiel zurück; das Manuskript davon ist verschollen;wir kennen nur den Titel: „Verletzte Rechte der Natur." Den Stoffhat er aber, aus den Andeutungen im Briefwechsel mit Dingelstedt zuschließen, in einen Roman verarbeitet, „Die neuen Serapionsbrüder",der 1877 erschien und die soziale Frage eigentümlich behandelt, wennauch durchaus nicht im Sinne der politischen Propaganda, schriebdoch Gutzkow an Dingelstedt am 26. April 1873: „Die Verpönung der