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man durch die Erscheinung der blinden Mutter den blinden Kron-prinzen nicht an sein Elend erinnern wollte, wie der SchauspielerKaiser am 23. November 1846 schrieb, und auch aus Braunschweigmeldete Karl v. Holtei am 4. Mai 1847 dem Dichter ein Verbot. InBayern, wo Lessings „Nathan" seine verschiedenen Benennungenhatte (siehe den Artikel: Lessing), war „Uriel Acosta" das „Schand-stück von dem säubern Gutzkow" (vgl. „Euphorion" XX, 133). All-gemein wurde, wie Gutzkow selbst erzählt, dieses Drama ein „Witte-rungsbarometer für die öffentlichen Zustände. Nahm die kirchlicheReaktion zu, so erfolgte auf der Bühne ein Verbot; fand ein System-wechsel statt, so ließ man das Stück frei." Auf dem Wiener Burg-theater durfte es erst nach der Märzrevolution, am 15. Juni 1848, er-scheinen. Als im nächsten Jahr die Reaktion einsetzte, wurde es wie-der verboten, nur auf den Provinzbühnen ließ man es hingehen. Dasösterreichische Konkordat 1855 machte es vollends in Wien unmöglich.1857 wollte die Schauspielerin Zerline Gabillon zu einer Wohltätig-keitsvorstellung auf dem Theater an der Wien die Judith spielen, eswurde ihr verboten. „Man glaubt, es könnten wieder so und sovielhundert Seelen dem Fegefeuer verfallen, durch Anschauen dieses ent-setzlichen Stückes", schrieb sie am 4. April 1857 an Gutzkow. Erst1863 wurde „Uriel Acosta" vom Burgtheater wiederaufgenommen,„ohne augenscheinliche Gefahr für Kirche und Staat", wie das „Deut-sche Museum" (1863, Nr. 41, S. 563) ironisch bemerkte, „im Gegen-teil, alle Welt staunte nur darüber, daß dasselbe überhaupt jemals hatteverboten werden können! Fast hätte man glauben mögen, es sei ausConvenienz gegen die orthodoxen polnischen Juden geschehen, die sichskandalisiren konnten, Rabbiner in treuem Originalkostüm an so pro-faner Stelle zu erblicken."
Mit dem „Uriel Acosta" hatte Gutzkow den Höhepunkt seinesdramatischen Schaffens erreicht, und je weniger Erfolg seine späterenStücke hatten, um so weniger Aufmerksamkeit brauchte ihnen dieTheaterzensur zu widmen. Gegen die Aufführung des „Königsleut-nants", den Gutzkow als Festspiel zu Goethes hundertstem Geburts-tag schnell skizziert hatte und der sich durch die „Bombenrolle" desThorane eine Unsterblichkeit errang, an die der Dichter selbst niegedacht hätte, protestierten, wenigstens für das Weimarer Theater,Goethes Enkel, und es gibt noch immer Goethe-Fexe, die solchen„Pietätsstandpunkt" für durchaus berechtigt halten — als ob nicht dieDebatte darüber: Ist das der rechte junge Goethe oder nicht? für dieErkenntnis Goethes oft weit fruchtbarer sein könnte als zehn BändeLesarten seiner Werke. Eine engherzige Pietät, deren Berechtigungman im Interesse der dramatischen Literatur weltlichen Fürsten be-streitet, sollte man nicht zugunsten eines Fürsten des Geistes geltendmachen. — Die Aufführung des Gutzkowschen Schauspiels „Die