Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
1357
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Nachtrag: Hospitalschiffe. 1357

durch hat sich bisher ein richtiger Begriff über eine Seeschlacht nichtbilden können und noch weniger über die Bedingungen der Hülfeleistung,wenn durch irgend eine Gewalt plötzlich der Boden versinkt, auf welchemdie Kämpfenden gestanden. Ein vor Jahren in der englischen ZeitschriftEngineering" unter dem TitelGeschichte der Schlacht von Port Said"erschienener Artikel, der alle Möglichkeiten einer modernen Seeschlachtbehandelte, erwähnte nichts von Hospitalschiffen, nichts von Genfer Con-vention. Ein daraus gezogener Schluss dürfte daher nicht ungerecht-fertigt sein, dass in einem Kampfe, in dem das Ziel in der rücksichts-losesten Vernichtung besteht, der Ruf nach Menschlichkeit ungehört ver-hallen wird. Während des Kampfes werden sich die grossen Schlacht-schiffe auf einem sehr grossen Räume bewegen, zwischen ihnen diekleineren Fahrzeuge, namentlich Torpedoboote. Geschosse fliegen durchdie Luft, Torpedos durchfurchen die See, über dem Ganzen schwebt nacheinigen Schüssen aus Riesengeschützen, der oft undurchdringliche Pulver-dampf, der Freund und Feind nur schwer unterscheiden lässt. JedenAugenblick ein verändertes Bild. Dass in einem solchen hin und her-wogenden Durcheinander, ein Hospitalschiff, ganz abgesehen von seinerAbhängigkeit von Wind und Wetter, namentlich dem jeweiligen Seegang,schon seiner Selbsterhaltung wegen, seinen Platz nicht finden kann, liegtauf der Hand. Ebenso wird es oft unmöglich sein, eine Abgabe vonVerwundeten von den Schiffen zu bewirken, um diese durch den dadurchbedingten Zeitverlust nicht weiteren wichtigeren militärischen Aufgabenzu entziehen. Für die Hülfeleistung der Hospitalschiffe wird daher imNahgefecht eine nur beschränkte Aussicht vorhanden sein, sie wird dieAusnahme bilden. Leichter wird sie in den stehenden oder Ferngefechtenauszuführen sein, in welchen auch für die Boote des Hospitalschiffes einEingreifen sich ermöglichen lassen wird. Sehen wir uns nun die Situationnach dem Kampfe an. Seeschlachten sind, wie die Erfahrung lehrt,immer in der Nähe der Küsten, vor Flussmündungen und Häfen ge-schlagen und werden jedenfalls auc]i in Zukunft sich in nicht zu grosserEntfernung von solchen Stützpunkten abspielen. Die Flotte des Ver-theidigers zieht sich, wenn besiegt, in den Hafen zurück und giebt ihreVerwundeten direct ab. Ist sie siegreich, so wird sie den Vortheil vollausnutzen, zu verfolgen und weiter zu vernichten suchen, so lange siekann, ohne Rücksicht auf ihre Verwundeten. Dann aber kann sich dieThätigkeit des Lazarethschiffes auf dem verlassenen Kampfplatz erheb-lich gestalten, wenn es mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln hava-rirten, vielleicht bewegungslos liegenden oder dem Untergang nahenSchiffen Hülfe bringt, Schiffbrüchige aufsucht und birgt, weniger beschä-digten Schiffen durch Abnahme der Sorge um ihre Verwundeten Arbeits-kräfte spart, um sie möglichst schnell wieder actionsfähig zu machen.Die Flotte des Angreifers wird ihre Hospitalschiffe mit sich führen,sofern sie geschlagen ist und dabei unter Umständen zunächst von ihnenauch keinen Nutzen haben. Ist sie siegreich, so wird sie ihre Verwun-