Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
550
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URANIA 550

haus' Bekehrung unterdrückte er ganz am Schluß des dritten Ab-satzes, wo es wörtlich heißt: „Auf seine plötzliche Sinnesänderungzu rechnen, wäre also in jedem Falle sehr bedenklich und gewagt."Nur andeutungsweise gab Müller dann den scharfen Schluß desWiener Reskriptes wieder, der im Original folgendermaßen lautete:

„Um jedoch diesem Manne zu zeigen, daß wir die Strenge nichtbis zur Hartherzigkeit treiben, und seine Rückkehr zu bessernGrundsätzen nicht zum voraus als unmöglich betrachten, werdenSie ihn mit einem Umstände bekannt machen, bei welchem auf dievon ihm abgegebene Erklärung Rücksicht genommen werden soll:Es war seit einiger Zeit im Wercke, die im Brockhausischen Verlageherauskommenden Schriften ein für allemal in den kk. Staaten zuverbieten; und diese Maßregel war ihrer Ausführung ganz nahe.Sie mag nun vor der Hand suspendirt bleiben; und wir wollen er-warten, in wie fern die künftigen Verlags-Artikel des Brockhaus mitden gegen Sie ausgesprochenen Gesinnungen und Vorsätzen über-einstimmen werden. Sollte er sich in der That auf einen bessern alsden bisher betretenen Weg begeben, so hat er von der kk. Regg-gewiß keine ihm nachtheilige Vorkehrungen ferner zu besorgen.Sollte er aber in dem Geiste, der seine kaufmännische und politischeThätigkeit bis jetzt bezeichnet hat, fortgehen, sollte er fernerhin seineFirma, seine Protection und sein Capital auf Verbreitung demago-gischer Schriften, und feindseliger Ausfälle gegen die Beschützer undFreunde der gesetzlichen Ordnung verwenden, so wird auch jene,zur Zeit noch suspendirte Maaßregel unausbleiblich in Erfüllunggebracht werden. Ewr. etc. erhalten hierdurch den Auftrag, denp. Brockhaus in Gemäsheit dieser unserer festen Willensmeinungwörtlich zu bescheiden."

So viel Erfolg hatte also Müllers Vermittlung immerhin, daß diegeplante Gesamtverfügung gegen den Brockhausschen Verlag einst-weilen eine Drohung blieb. Die „Urania" jedoch wurde nicht zu-gelassen und ihrem Herausgeber gleich noch ein nachdrücklicherDenkzettel gegeben: im Oktober verbot die Wiener Zensurbehördefast seine sämtlichen Neuerscheinungen mit Ausnahme von vier.Darunter war sogar ein Buch, das Müller selbst an Brockhaus ver-mittelt hatte, „Spanien und die Revolution", ein anonymes Werk dessehr loyalen Freiherrn v. Hügel, das fast offiziösen Charakter hatte.Der Staatskanzler Fürst Metternich höchstselbst brachte diese neu-esten Verfügungen mit, als er in diesem Monat Leipzig besuchte,und Adam Müller berichtete am 21, Oktober schadenfroh an Gentz:„Brockhaus hat die ganze vom Fürsten anhergebrachte Dosis bis aufden letzten Tropfen empfangen. Für die Wirkung hafte ich nicht,desto mehr für den Schrecken." Der „letzte Tropfen" war jeden-