539 SIMROCK
„Außer dem weiß ich in Wahrheit nichts zu meiner Verteidigunganzuführen und mit gehorsamster Einreichung der Nr. 183 des Frei-müthigen, unterzeichne ich mit höchster Verehrung
Berlin am 18. September 1830.
August Friedrich Ernst Langbein."
Noch am selben Tag gab das Bureau des Herrn v. Bassewitz denWortlaut der Antwort Langbeins an den Polizeiminister weiter, undso wortkarg sie auch war, Herr v. Schuckmann brauchte nicht erstnoch auf die Auskunft des Polizeipräsidenten über die Personaliendes p. Simrock zu warten. Also Referendar am Kammergericht warder Bursche! Na, dem mochte seine Begeisterung für die fran-zösische Julirevolution gut bekommen! Montag, den 20. September,gab Schuckmann das Rechtfertigungsschreiben des Zensors an denHausminister weiter. „Daß diese Entschuldigung völlig ungenügendist," bemerkte er dazu, „erscheint mir eben so wenig zweifelhaft, alsdaß der p. Langbein den richtigen Tact in dem Maße verfehlt hat,daß es in der That bedenklich seyn dürfte, ihm ferner die Censurhiesiger Tages-Blätter zu überlassen. Es wird daher dieserhalb jedenFalles Remedur eintreten müssen. Der Referendarius Simrock,von welchem das erwähnte Gedicht verfaßt ist und Hinsichts dessendas Ober-Präsidium sich noch eine nähere Anzeige vorbehalten hat,stehet eingezogener Erkundigung zufolge bey dem hiesigen Kammer-gericht."
Der amtliche Apparat funktionierte wieder einmal vorzüglich, unddoch war Schuckmann mit seiner Enthüllung zu spät gekommen!Im königlichen Kabinett wußte man schon tags zuvor Bescheid, undSe. Majestät hatte es so eilig, ein Exempel zu statuieren, daß sienoch am selben Sonntag an den Kammergerichtspräsidentenv. Mitschier folgende kategorische Kabinettsorder erließ:
„Ich beauftrage Sie hiedurch, den Kammergerichts-ReferendarSimrock unverzüglich vernehmen zu lassen, ob er sich zum Ver-fasser der in Nr. 183 des Freimüthigen unter der Überschrift: dreyTage und drey Farben aufgenommenen Verse bekenne und in diesemFall ihm anzudeuten, daß er vom Dienste ausgeschlossen sey."
Montag vormittag hatte der Referendar Simrock drei Termine aufdem Kammergericht zu halten. Die Verhandlungen waren zu Ende,und er wollte schon nach Hause gehen, als der Präsident die Wortean ihn richtete: „Ich habe Ihnen eine Publikation zu machen" undihn bat, ihm in sein Amtszimmer zu folgen. Hier entnahm er einemAktenumschlag ein Schreiben, das sich als die obige Kabinettsorderentpuppte, und las es seinem Untergebenen vor. Ein Blitz ausheiterm Himmel hätte keine niederschmetterndere Wirkung tunkönnen! Simrock wußte sich nur so weit zu fassen, daß er um eine