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teilweise in sittlicher und religiöser Beziehung anstößige Inhalt desWerkes aufgefallen", ganz besonders verstoße seines Erachtens „dieCharakteristik der Hauptperson des Stückes, Hans im Schnaken-loch, verschiedentlich gegen die guten Sitten". In politischer Be-ziehung hatte die Polizei in Saarbrücken offenbar nicht das geringsteBedenken. Sie wurde daraufhin von Berlin belehrt, daß auch hierdie Wiederaufführung nicht mehr gestattet werde, aber aus „vor-wiegend politischen Erwägungen".
SCHÖNHERR, KARL (geb. 1869).
Schönherr ist Katholik, sein Bruder würdiger Pfarrherr in Tirol,mehrere seiner Schwestern sind Nonnen, und er hat sich nie als Apostatgebärdet. Er ist praktischer Arzt; als Wissenschaftler und Dichterschaut er unter die Oberfläche der Welt und ihrer Geschichte.Kirche als politischer Machtfaktor und Religion sind ihm nichtidentische Begriffe; er sieht den Glauben nicht durch das Zugeständ-nis bedroht, daß Feuer und Schwert nicht die geeigneten Mittelwaren, die Religion der Liebe in die Herzen zu pflanzen. TiefesHeimatsgefühl ist die starke Wurzel seiner Dichterkraft, und sofand er in dem Verzweiflungskampf der österreichischen Protestan-ten zur Zeit der barbarischen Gegenrevolution nur die Tragödie desMenschen, — des einen, der um seines Glaubens willen den Erden-fleck verlassen muß, der ihm die ganze Welt bedeutet, des andern,den bei blinder Ausübung seiner blutigen Mission plötzlich die Er-kenntnis seines unmenschlichen Henkertums durchschauert, diedumpfe Ahnung einer kommenden Zeit, wo keine Ketzer mehr zuEhren Gottes verbrannt werden. Dieser Sieg echten Menschentumsüber wilden Glaubensfanatismus aber setzte mittelalterliche, unterder Decke des zwanzigsten Jahrhunderts schlummernde Instinkte inzuckende Bewegung, der Geist der Inquisition begann zu spuken,und Schwarz- und Rotröcke waren eifrig geschäftig, das Werk deskatholischen Dichters Schönherr, „Glaube und Heimat", durch denwilden Reiter Theaterzensur aus seiner angestammten Heimat, derBühne, vertreiben zu lassen.
Ursprünglich sollte die Premiere von „Glaube und Heimat" aufdem Mannheimer Hof- und Nationaltheater stattfinden. Da aberSchönherrs neues Werk, das zuerst im Feuilleton der „Neuen FreienPresse" erschienen war, mit dem Grillparzerpreis des Jahres 1910bedacht werden sollte, trat der Mannheimer Intendant FerdinandGregori das Recht der Uraufführung an das „Deutsche Volkstheater"in Wien ab, und dort ging „Glaube und Heimat" am 17. Dezember1910 — am selben Tag auch in Prag — mit durchschlagendem Er-folg in Szene. Dem Eingreifen des Wiener Zensurbeirats war es zudanken, daß kein Wort gestrichen wurde.