Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
516
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SCHICKELE S l6

machend wirken könnte, so hätten sie sicher anders geschrieben.Im übrigen ist glücklicherweise die Stimmung in Berlin im allge-meinen recht zuversichtlich und die Zahl derer, die gegen öffent-liches Flaumachen sehr energisch zu Felde ziehen würden, groß-Wäre die befürchtete Wirkung bei den Vorstellungen beobachtetworden, so würde ich sicher Einsprüche erhalten haben; es ist abertatsächlich nach dieser Richtung nichts eingegangen.

Anläßlich Ewr. Excellenz vorliegender Verfügung habe ich nun-mehr das Textbuch noch einmal durchsehen lassen, um alle Stellenauszumerzen, die ihrem Wortlaut nach als zur innerlichen Abkehrvom Kriege führend gedeutet werden könnten. Ich füge unterHinweis auf die mit Rotstift kenntlich gemachten Stellen (S. 77, 160,162, 163, 165, 167 und 175), die im Einvernehmen mit der Direktiongestrichen sind, das Textbuch bei und hoffe, daß damit die Be-denken des Herrn Chefs des Generalstabes des Feldheeres beseitigtsein werden. Sollten aber die Striche nicht genügend erscheinen, somöchte ich anheimstellen, vor weiterer endgültiger Stellungsnahmedie Aufführung, vielleicht unter Teilnahme eines Vertreters desMinisteriums des Innern, noch einmal zu besichtigen."

Das Oberkommando in den Marken berichtete am 2. Juni an dasGroße Hauptquartier: die bedenklich erscheinenden Stellen seien„tunlichst restlos" ausgemerzt, ein nachträgliches Verbot aber recht-lich unhaltbar. Dem Polizeipräsidium sei aber aufgegeben, von nunan keine selbständige Entscheidung über Werke mit kriegspolitischemEinschlag mehr zu treffen, sondern sie ausnahmslos vor der Frei-gabe dem Oberkommando zur Nachprüfung vorzulegen. Am selbenTag erhielt das Polizeipräsidium die entsprechende Weisung; sielegte der bisherigen Freiheit der Berliner Zensurbehörde eine höchstlästige und den weitaus meisten der einzureichenden Stücke ver-hängnisvolle Fessel auf. —

Ein Verbot des Schauspiels war damit zunächst abgewandt; aberder Sieg der Zensurbehörde war nur ein scheinbarer, ein Waffen-stillstand, dem bald der entscheidende Angriff folgte. Am 16. Juni1917 erließ das Oberkommando in den Marken an das BerlinerPolizeipräsidium die Verfügung:

„In Verfolg der Meldung des Major Graf Hülsen, daß das Schau-spiel ,Hans im Schnakenloch' hier im Kleinen Theater am 29. d. M-zum letzten Male in d i e s e r Spielzeit zur Aufführung kommen soll,wird ergebenst mitgeteilt, daß eine Wiederaufnahme des von dem1. Generalquartiermeister beanstandeten Werkes in der kommen-den Spielzeit nicht mehr wünschenswert erscheinen kann. Schonim Hinblick auf die einmütige, von rein deutscher Gesinnung ge-tragenen Erklärungen des Elsaß-Lothringischen Landtages ist eine