Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
512
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SCHICKELE 512

Der Inhalt des schon vor seiner hiesigen Aufführung anderweit,so in Frankfurt a. M. und in Nürnberg gespielten Stückes hat hierbei der zensurpolizeilichen Prüfung zu Bedenken keinen Anlaß ge-geben, nachdem die Direktion ihrerseits im Textbuch eine Reihevon Streichungen vorgenommen hatte, die aus dem beigefügten ein-gereichten Bühnenexemplar ersichtlich sind. Diese Streichungenlassen eine Menge der Kriegsdiskussionen fortfallen und beseitigendamit einen Teil der von Ew. Excellenz angedeuteten Bedenken.

Maßgebend für die Zulassung des Stückes war hier die Erwägung,daß dasselbe, wenn es auch seinem Zweck entsprechend ,die Tragödiedes Elsässers' darstellt und zu dem Ende die verschiedenartigen Stim-mungen beleuchtet, die sich im Elsaß geltend machen, doch unzwei-deutig eine deutschnationale Tendenz zum Ausdruck bringt unddemnach auch, im ganzen betrachtet, eine deutschnationale Wirkunghervorbringen muß. Die Elsasser Jugend, das ist der Standpunkt desStückes, denkt und fühlt deutsch, das Alter (besonders bezeichnetdurch die Mutter) fühlt sich mehr zu Frankreich hingezogen, reifereErwachsene (besonders gekennzeichnet durch den Träger der Titel-rolle) schwanken zwischen beiden Nationalitäten. In diesem Schwan-ken zwischen deutschen und französischen Sympathien und inParallele damit, zwischen seiner deutschen Frau und einer von ihmgeliebten Französin, geht ,Hans im Schnakenloch' zu Grunde. Immer-hin bekundet er ausdrücklich den Entschluß, seinen Sohn deutscherziehen zu lassen.

Die Möglichkeit, daß die vielfach zur Schau getragene Unpartei-lichkeit des Dichters in der Darstellung der nationalen Gegensätzemanchen stören könnte, ist hier erwogen worden. Immerhin wurdeangenommen, daß sie, weil das bessere Verstehen des Elsasses beiuns fördernd, auch vom deutschnationalen Standpunkt nicht zu be-anstanden sei. Neben der Tendenz und Gesamtwirkung des Stückessowie dem Umstand, daß Schickele als elsässischer Schriftsteller, derstets deutschnationale Interessen vertreten hat, bekannt ist, war beider diesseitigen Stellungnahme auch die Absicht maßgebend, die vonbemerkenswerter literarischer Seite vielfach gegen die Theaterzensurwährend des Krieges erhobenen Vorwürfe, sie lasse wohl die dem.Hurrapatriotismus' dienenden Stücke zu, verhindere aber ernstereDramen aktueller Art, nicht aufkommen zu lassen. Als ein solchesernst literarisches Drama war das Werk von Schickele schon vorherin der Zeitschrift ,Die Schaubühne' [Nr. 40 vom 3. Oktober 191ÖJseitens des Schriftstellers Julius Bab eingehend und anerkennendgewürdigt worden. Mit Rücksicht auf alle diese Erwägungen hatteich, schon bevor das Stück hier eingereicht worden war, eine An-frage von dem Herrn Polizeipräsidenten zu Frankfurt a. M. dahinbeantwortet, daß es wahrscheinlich hier grundsätzlich und als Ganzes