Specielle Krankenversorgung. (Bei der Marine, für Arbeiter der Staats-Werften.) 433
liches, einzeln gelegenes, leicht zugängliches-Gebäude vorgesehen, dasmit allen Betriebsstellen durch Fernsprecher verbunden ist. Dasselbeenthält einen Operationsraum mit der nothwendigen Einrichtung und einenKrankenlagerungsraum mit zwei Betten. Ein geräumiger Vorraum ge-währt im Bedarfsfalle weitere Lagerungsplätze. Ferner befinden sich inihm der Arbeitsraum für den Werftoberarzt, ein Zimmer für den wacht-habenden Arzt und ein Schreibezimmer für einen bei der Werft com-mandirten activen Obersanitätsmaaten, der neben den Aerzten als Heil-gehülfe thätig zu sein hat. Letzterer Raum dient zugleich für sonstigeärztliche Untersuchungen. Der Hauptunfallstation gegenüber sind in derFeuerwache der Werft die Krankentransportmittel, bespannter Kranken-wagen, Tragbahren und Tragkörbe untergebracht. Die Bedienung der-selben geschieht in erster Linie durch die im Samariterdienst ausgebil-deten Feuerwehrleute, dann durch ebenso geschulte Arbeiter. Ersteremüssen sich an den mehrmals im Jahr stattfindenden, von dem Werft-oberarzt geleiteten Samariterkursen betheiligen, letzteren ist dieses frei-gestellt, ebenso wie den sonstigen Angehörigen der Werft. Die Be-theiligung ist eine sehr rege, und ist das Erlernte überaus häufig mitVerständniss und gutem Erfolg verwendet worden. Während der Werft-arbeitszeit, 6y 2 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends, ist ' ärztliche Hülfestets zu erlangen, zumal für solche auch die Sanitätsofficiere der inDienst gestellten Kriegsschiffe, von denen sich fast ständig einige in derWerft befinden, herangezogen werden dürfen, ebenso wie das marine-ärztliche Personal der in der ISlähe der Werft kasernirten Marinetheile.Da entsprechend der Lage der Kaiserlichen Werft gegenüber der StadtKiel und getrennt von ihr durch den Hafen, die Ueberführung der Kran-ken nach den Heilanstalten eine weite und zeitraubende ist, wurde derTransport zu Wasser ins Auge gefasst und zwar in Booten, entsprechenddenen hergerichtet, welche für Kriegsschiffe vorgesehen sind. Und umso mehr empfiehlt sich diese Beförderung als die Königlichen Universi-tätskiiniken fast unmittelbar an das der Werft gegenüberliegende Hafen-ufer anstossen. Auf der Werftseite des Hafens (Kieler Bucht) sindKrankenheilanstalten leider nicht vorhanden.
Als ärztlich technischer Berather der Werftleitung ist, als Oberarztder Kaiserlichen Werft, ein älterer, activer Sanitätsofficier der Marineständig commandirt. Ausser dem rein militärischen Dienst fallen ihmfolgende Obliegenheiten zu. Ueberwachung des Gesundheitszustandes derbei der Werft einzustellenden Arbeiter. Dieselbe erscheint um so wich-tiger, als dadurch nicht nur die Betriebskrankenkasse vor ungebührlichenLeistungen gegenüber etwa mit Krankheiten behafteten Arbeitern bewahrtbleibt, sondern die Werft selbst mit einem Arbeitspersonal sich ausstattet,dessen Leistungsfähigkeit ihr in den allermeisten Fällen verbürgt ist;Letzteres ist aber für eine Einrichtung, an welche jederzeit und sehroft unvorhergesehen überaus grosse und schleunigst auszuführende Ar J -beitsaufträge, insbesondere auch bei einer Mobilmachung, herantreten,
Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. II. Bd. 2. Abtb. 9g