Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

420 Nocht,

15000 englische Hochseefischer. Ihre Fahrzeuge gehen, zu grossen Flottenvereinigt, bis nach Island, wo sie sich im Jahre 810 Wochen aufhalten,auf der anderen Seite aber auch bis nach Labrador und Neufundland.Der Englische Johanniterbund (St. John Ambulance Association) lässt inallen Englischen Fischereihäfen Unterrichtskurse in der Samariterkunde fürdie Fischer abhalten, die überall gut besucht sein sollen. Im Jahre 1884wurde in London die Hochseefischereimission gegründet (Mission to DeepSea Fishermen), eine wohlthätige Gesellschaft, die über grosse Mittel ver-fügt und den Fischern, die oft wochenlang ihre Fischgründe nicht ver-lassen, Gottesdienst, religiöse Erbauung, Lektüre, geistige und gemüth-liche Anregung bringt, Massigkeit und Enthaltung von Alkohol predigt,aber auch in sehr wirksamer Weise sich der Kranken an Bord derHochseefischereifahrzeuge annimmt. Die Gesellschaft sendet aussermehreren Missionsschiffen mit Aerzten, die an Bord der Fischerfahr-zeuge, gehen und dort ihren Rath ertheilen, 4 Hospitalschiffe und einenDampfer auf die Fischgründe in der Nordsee und bei Labrador undNeufundland. Die grösseren Hospitalschiffe haben ein sehr zweckmässigund reichlich, ausgestattetes Schiffshospital mit 10 Betten (Schlinger-kojen), die kleineren haben 35 Kojen für Kranke. Ausserdem besitztdie Gesellschaft 2 Hospitäler auf dem Lande. In der Campagne von1895 wurden mehr als 10000 ärztliche Consultationen ertheilt und203 Kranke in den Schiffshospitälern behandelt.

Aehnlich sorgt man jetzt auch in Frankreich für die kranken Hoch-seefischer. Jeden Sommer begeben sich etwa 400 Französische Fahrzeugemit über 10000 Köpfen nach Neufundland und etwas über 200 Fahr-zeuge mit einer Besatzung von über 4000 Mann nach Island, um dortdie Hochseefischerei (la grande peehe) zu betreiben.

Schon 1852 wurde diesen Fahrzeugen die Mitnahme derselben Aus-rüstung, wie sie die Kauffahrteischiffe in grosser Fahrt haben müssen,zur Pflicht gemacht. Die Verordnung wurde aber .1889 wieder auf-gehoben. 1893/94 wurden aber neue, sehr ins einzelne gehende Ver-fügungen hierüber erlassen. Die vorgeschriebene Ausrüstung ist sehrreichhaltig. Nachdem namentlich von Französischen Marineärzten dasan Strapazen und Entbehrungen reiche Leben auf den Hochseefischerei-fahrzeugen und die ungünstigen Gesundheitsverhältnisse der Fischerwährend der Fangzeit eingehend untersucht und mehrfach beschriebenworden waren, und der berühmte Roman von Pierre Loti (Pecheurs d'Is-lande) das allgemeine Interesse für diese Seeleute erweckt hatte, wurde1894 auch in Frankreich eine wohlthätige Gesellschaft gegründetSocieta d'Oeuvres de Mer, um den kranken Fischern Hülfe zu brin-gen. Die Gesellschaft schickt jetzt im Sommer 2 Hospitalschiffe aus(den St. Pierre nach Neufundland, den St. Paul nach Island), umschwerkranke Fischer an Bord zu nehmen und dort zu behandeln resp.in Landhospitäler zu bringen, den übrigen Kranken aber auf ihrenSchiffen selbs ärztliche Hülfe zu bringen. Auf St. Pierre wurden in derCampagne von. 1898 35 Krankheitsfälle an Bord behandelt darunter