Specielle Krankenversorgung'. (Bei der Marine, in der Handelsmarine.) 421
9 Fälle von Typhus, 5 von Lungenschwindsucht, 4 von Skorbut —;92 ernstere Krankheitsfälle (8 Typhen) wurden consultativ behandelt.Die Berichte der Französischen Aerzte geben auch eine Statistik überMorbidität und Mortalität unter diesen Fischern. Die hauptsächlichstenKrankheiten sind Typhus (schlechte Trinkwasserverhältnisse, grosse Un-sauberkeit), Tuberkulose, Rheumatismen, Skorbut und Alkoholkrank-heiten, chronischer Magenkatarrh, Delirien, Lebercirrhose, Atheromatose).Die Sterblichkeit betrug 1898 in den Neufundland-Gewässern 20 pM., inIsland 13 pM. Hiervon entfiel ungefähr die Hälfte auf Krankheiten.Die Oampagne dauert aber nicht ganz ein halbes Jahr. Diese Zahlenmüssen also, um die Vergleichszahlen auf ein ganzes Jahr zu erhalten,mehr als verdoppelt werden.
Wenn nun auch unsere Deutsche Hochseefischerei noch nicht dieGrösse und den Umfang der Französischen und Englischen erreicht, sosollten uns doch diese Vorkehrungen der Engländer und Franzosen fürdie Krankenfürsorge auf ihren Hochseefischereifahrzeugen zur Nacheiferunganregen und uns veranlassen, reichere Mittel dafür aufzuwenden. Esfragt sich nur, woher diese Mittel genommen werden sollen. DieHochseefischer, wie die Kleinschiffer überhaupt stellen im Gegensatz zuden Schiffen in grosser Fahrt zum grossen Theil noch eigene Betriebefür sich dar, die noch nicht in grossen Gesellschaften aufgegangen sindund jede weitere Belastung ihrer verhältnissmässig hohen Unkosten schwerempfinden, auch wenn sie humanitären Zwecken zu Gute kommen sollen.Auch die bis jetzt gebildeten Fischereigesellschaften sind finanziellnoch nicht so stark wie die Rheder der überseeischen Schiffe, so dassman ihnen die Aufwendungen, um in jedem Falle prompt und genügendfür die Kranken an Bord zu sorgen, event. die Fischgründe deshalb zuverlassen, kaum zumuthen könnte. Hier wäre also der allgemeinen Wohl-thätigkeit ein reiches Feld für Geldspenden und praktische Bethätigunggeöffnet.
Im Allgemeinen erwartet man jedoch bei uns, dass der Staat das, wasin England die allgemeine Wohlthätigkeit zu Wege bringt, in die Handnimmt und ausführt. Es würde für die Förderung der Krankenfürsorgebei unsern Hochseefischern in Frage kommen, ob nicht neben dem zumSchutz der Fischerei ausgesandten und dadurch . vorzugsweise in An-spruch genommenen Marinekreuzer noch ein anderes Staatsfahrzeug aufdie Fischgründe geschickt werden sollte, das zur Krankenfürsorge, Auf-nahme, Behandlung und auch zur schnellen Ueberführung von Krankenin die Heimath besonders eingerichtet wäre und seine Fahrten lediglichnach diesen Aufgaben auszuführen hätte. Auch die Deutschen Hoch-seefischer sind nicht regellos über die ganze Nordsee verstreut, sondernauf bestimmten und allgemein bekannten Fischgründen in grösserenoder kleineren Flotten vereinigt. Sie könnten also von einem solchenSchiff leicht gefunden und in bestimmten Zeiträumen immer wiederaufgesucht werden. Die Kosten für ein solches Schiff sind zu hoch,als dass man unsern Deutschen Anschauungen und Gewohnheiten