Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
412
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412 Nocht,

Hafenstadt erfolgen. Hier ist auch zum Studium tropischer Infections-krankheiten, wie sie bei Seeleuten vorkommen, die beste Gelegenheitgegeben. Es ist gegründete Aussicht vorhanden, dass sehr bald Vor-hereitungscurse für Schiffsärzte im Hamburger Seemanskrankenhauseund dem damit verbundenen Institut für Schiffs- und Tropenhygieneorganisirt werden. Ob der Besuch dieser Curse freiwillig ein sehrgrosser sein wird, oder durch besondere Maassnahmen wird gesichertwerden müssen, bleibt abzuwarten. Man müsste für letzteren Fall vonjedem Arzt, der an Bord als Schiffsarzt fahren will, den Nachweis derbesonderen, oben aufgeführten Kenntnisse verlangen.

Im Interesse der Kranken an Bord liegt es durchaus nicht, dassdie Schiffsärzte, wie meist jetzt, nur eine oder zwei Reisen machen, esist vielmehr dringend erwünscht, dass sie mindestens 12 Jahre zurSee fahren und für eine so lange Thätigkeit kann eine besondere,Vorbereitung sehr wohl verlangt werden. Gerade die jüngeren Schiffs-ärzte klagen am meisten über ihre Stellung an Bord und den Mangelan Autorität dem Kapitän gegenüber. Je besser vorgebildet die Aerztean Bord kommen und je grössere, eigene Erfahrung sie auf ihren Reisenerwerben, desto grösser wird auch das Vertrauen des Kapitäns zuseinem ärztlichen Berather werden. Mit der Verleihung eines amtlichenCharakters allein ist dabei wenig geholfen. So ist es auch eine viel zuweit gehende Forderung, dass die Schiffsärzte Reichsbeamte sein sollten.Der Kapitän muss, wie das ja auch in der Kriegsmarine der Fallist, an Bord der Vorgesetzte auch des Arztes sein und bleiben. Mitdemselben Recht wie für die Schiffsärzte könnte man auch für dieStellen der Kapitäne und Maschinisten die Besetzung mit Reichsbeamtenfordern. Die neuerdings vorgeschriebene, schriftliche (Tagebuch) undmündliche Berichterstattung der Schiffsärzte an die örtliche Medicinal-behörde (in Hamburg der Hafenarzt) dürfte in den meisten Fällen ge-nügen, um einem gewandten und umsichtigen Schiffsarzt den Rückhaltgegenüber dem Kapitän zu geben, der nöthig ist, um billige Ansprüchefür die Schiffshygiene und Krankenfürsorge an Bord während der Reisedurchzusetzen. Durch diese Einrichtung wird es auch möglich werden,die wissenschaftlichen Einzelerfahrungen der Schiffsärzte, die bisher fastalle für die allgemeine Kenntniss verloren gingen, zu sammeln, das zu-fällige von dem bleibenden zu sondern und für die Verbesserung derHygiene und Krankenfürsorge an Bord zu verwerthen. Endlich ist esauf diese Weise möglich, sich über die Tüchtigkeit und Umsicht derSchiffsärzte selbst ein Urthcil zu bilden.

Durch die persönliche Vorstellung vor der Abfahrt wird die Ge-legenheitgeboten, in Form zwangloser Unterhaltung dem jungen Schiffsarztsowohl allgemeine, wie die für den besonderen Fall nöthigen Rathschlägezu geben, die Erfahrungen seiner Vorgänger auf früheren Reisen ihm,mitzutheilen, seine Aufmerksamkeit auf besondere Verhältnisse oderfrühere Missstände an Bord hinzulenken, zu wissenschaftlichen Beob-achtungen anzuregen u. s. w.