Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
407
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Speciello Kranlcenversorgung. (Bei der Marine, in der Handelsmarine.) 407

(Hoffmannstropfen, Kamphertropfen) und Fiebermittel (Chinin, salicyl-saures Natron) eingetheilt. Ferner enthält die Ausrüstung Jodkalium undeine Anzahl äusserlich anzuwendender Arzneien. Auf jedem Standgefässsteht die Gebrauchsanweisung und die Seitenzahl derAnleitung", inwelcher das Mittel, das die Flasche enthält, besprochen wird. Die An-leitung enthält ferner Angaben über die Zusammenstellung einzelner ein-facher Recepte. Sehr ausführlich ist die Besprechung der Verband-technik, Blutstillung und sonstiger chirurgischer Hülfeleistung. Die ganzeAusrüstung soll mindestens einmal im Jahre von der örtlichen Medicinal-behörde auf Vollständigkeit und Güte der Arzneien, die den Anforderungendes Deutschen Arzneibuches entsprechen und thunlichst aus einer DeutschenApotheke bezogen werden müssen, geprüft werden. Zur besseren Be-köstigung von Kranken muss Bier, condensirte Milch, Fleisehpepton,Sago, Hafergrütze und Wein mitgenommen werden. Die ErnährungSchwerkranker an Bord der Schiffe ohne Arzt lässt sehr viel zu wün-schen übrig. Die Capitaine haben im Allgemeinen für diese Aufgabegar kein Verständniss und kein Interesse. Wenn der Kranke das, wasihm geboten geboten wird, nicht mag, bekommt er gar nichts. VieleKranke kommen halb verhungert im Hafen an und auf der Reise gehenzumeist Manche nur in Folge mangelhafter Ernährung zu Grunde. Fastebenso übel sieht es mit der Unterkunft für die Kranken an Bord aus.Zwar werden die gefährlichen Infectionskranken jetzt fast überall, wennihr Leiden erkannt ist (Pocken, Cholera, Gelbfieber) isolirt. Hierfür, wiefür die Notwendigkeit von Desinfectionen, ist fast überall Verständniss,selbst Uebereifer vorhanden. Anders steht es aber mit den Fällen, indenen lediglich das Wohl des Kranken es erfordert, dass er aus demgemeinschaftlichen, engen, überfüllten, dunklen, nassen, und schlechtgelüfteten Wohnräum (Logis) entfernt wird und eine bequeme, ruhigereund luftigere Lagerstätte erhält. Auf den meisten Schiffen könnte ganzgut eine leere Kabine für diesen Zweck immer frei gehalten werden; inwarmen Gegenden lässt sich ein Krankenraum an Deck aus Segelleine-wand improvisiren. Mitunter werden die Kranken auch in die an Deckstehenden Boote gelagert. Im Allgemeinen lassen diese Verhältnisseaber überall noch sehr viel zu wünschen übrig.

Die Erfolge der Krankenpflege auf den Schiffen ohne Arzt sind natür-lich sehr mangelhaft, sowohl was die Heilung, wie die Dauer des Leidensund der Reconvalescenz, wie die Erleichterung der Beschwerden währendder Krankheit selbst betrifft. Wohl nirgends im Binnenlande bekommtman so viele schwere Fälle vernachlässigter Verletzungen (schiefgeheilteKnochenbrüche, Verkürzungen, Anchyloscn und dergl.) und vernach-lässigter, äusserer Leiden (Fussgeschwüre, Phlegmonen, Panaritien, Ge-schlechtsleiden u. s. w.) zu Gesicht, wie unter den Kranken, die in dengrossen Hafenstädten von den zurückkehrenden Schiffen in die Land-hospitäler ausgeschifft werden. Dasselbe gilt von inneren Leiden besondersMalaria, Skorbut, Darmleiden, Schwindsucht. Es dürfte in den Cultur-staaten, namentlich in unserem Vaterlande mit seinem so umfassend