Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
399
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Speoielle Krankenversorgung. (Bei der Marine, in der Handelsmarine.) 399

die Mittel und Einrichtungen für die Krankenversorgung an Bord vonjedem einzelnen Betriebsunternehmer (Rheder) allein für sich beschafft,und auch die Ausübung der Krankenfürsorge an Bord liegt allein in denHänden der vom Rheder damit betrauten Personen, der Schiffsärzte,Kapitäne oder Heilgehülfen. Der Kranke ist allein auf diese Fürsorgeangewiesen und kann sich derselben, selbst wenn er damit nicht ein-verstanden ist, nicht entziehen. Der Staat beschränkt sich im Allge-meinen darauf, sehr bescheidene Mindestforderungen für das Personal,Ausrüstung des Schiffes und Einrichtungen znr Krankenpflege vorzu-schreiben und die Erfüllung dieser Mindestansprüche zu überwachen.

Im Allgemeinen ist nicht blos im Binnenlande, sondern auch beisehr vielen Rhedern und selbst bei Seeleuten die Ansicht verbreitet, dassweder die Häufigkeit noch die Art der Krankheiten an Bord unsererKauffahrteischiffe erheblichere und kostspieligere Einrichtungen für dieKranken auf diesen Schiffen erforderlich erscheinen lassen. Allerdingsfehlen mangels einer Organisation und allgemeinen Aufsicht über dieseVerhältnisse noch in allen Ländern umfassendere Ermittelungen über dieMorbidität und Sterblichkeit der Seeleute der Handelsschiffe. Vonden Capitänen und Schiffsärzten werden nur die schwereren Krank-heitsfälle in das Schiffstagebuch eingetragen, während auf den Kriegs-schiffen jeder Mann, der auch nur einen Tag durch Krankheit demDienst entzogen war, in der Statistik mitzählt. Nach der Rückkehrin die Heimath wird in den meisten Häfen nur von den Todesfällenamtlich Notiz genommen. Selbst die krank zurückkehrenden und in dieKrankenhäuser auf dem Lande übergeführten Seeleute gehen in vielenHäfen für die Statistik verloren. In Hamburg indessen sind die Oapitänealler ankommenden Schiffe seit einigen Jahren gehalten, alle Krankheits-fälle, die während der Reise vorgekommen waren, zu melden. DieseAngaben sind natürlich nicht immer ganz vollständig und zuverlässig,auch können sie nur selten durch die genaue Feststellung der Dauerder Erkrankung und auch nicht immer durch eine genaue Diagnose er-gänzt werden.

Indessen konnte ich trotz dieser Unvollständigkeiten feststellen, dassin den letzten drei Jahren auf den im Hamburger Hafen angekommenenSchiffen von im Ganzen 430000 Mann Besatzung mindestens 15000 See-leute während der Reise so schwer erkrankt waren, dass sie von denCapitänen oder Schiffsärzten der Erwähnung werth erachtet wurden. ImHamburger Hafen selbst erkrankten von der Besatzung dieser Schiffe6 500 Personen. Es wurden jährlich allein über 1500 Seeleute in dieHamburger Staatskrankenhäuser ausgeschifft. Die Zahl der Personen,die auf den im Hamburger Hafen liegenden Schiffen eingeschifft sind,beträgt durchschnittlich 3000 Mann. Diese Bevölkerung wechselt aberfortwährend durch An- und Abmustern. Auch ist die Dauer der Reisender Schiffe und die Dauer ihrer Anwesenheit im Hafen nicht in ge-nügendem Umfange festgestellt, als dass man mit den obigen ZahlenVergleiche mit der Morbidität auf dem Lande oder auf Kriegsschiffen