Speoielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Kriege.) 393
gender Stellung überall hin befördern zu können. Das Schiff ist imHafen von Triest verankert und steht unter der Aufsicht eines See-mannes von Beruf. Zur Erhaltung des Schiffes in Friedenszeiten sindca. 85000 Mark bestimmt. Diese Ausgabe könnte gespart werden. Eswürde genügt haben, das Material für die innere Ausstattung einesHandelsdampfers, damit er als Lazarethschiff benutzt werden kann, bereitzu halten. Angekauft ist ein solcher Dampfer bei Kriegsaussichten sehrschnell und die innen nöthigen Umbauten können in ganz kurzer Zeitvollendet sein. Dem Vernehmen nach hat die freiwillige Krankenpflegeauch in Deutschland darauf Bedacht genommen, ihre Hülfe unserer Ma-rine im Kriegsfall anzubieten, sich aber damit begnügt, dass sie sofortüber bestimmte Handelsdampfer verfügen kann und alles bereit gestellt,um diese zu Lazarethzwecken umzubauen. Im letzten Spanisch-Ameri-kanischen Kriege hat eine Privatgesellschaft — Massachusetts VolunteerAid association — einen Handelsdampfer zur Aufnahme von 124 Ver-wundeten ausgerüstet, der den Namen Bay State erhielt. Das Schiffwar sehr gut ventilirt (ein elektrischer Ventilator auf vier Betten) undallen Anforderungen der modernen Chirurgie und Krankenpflege ent-sprechend ausgerüstet. Es transportirte 99 Kranke resp. Verwundeteund hatte nur zwei Todesfälle an Bord. Die Erfahrungen der Amerikanermit dem staatlichen Hospitalschiff Solace sowohl (s. o.), wie mit demeben genannten, mit privaten Mitteln ausgerüsteten Bay State zeigen,dass die Sterblichkeit auf einem modernen, wohleingerichteten Hospital-schiff nicht grösser zu sein braucht, als in guten Landhospitälern.
Die Fürsorge für Verwundete und Kranke während kriegerischer,von Kriegsschiffen aus unternommenen Landungen muss so vorbereitetwerden, dass sie ganz .vom Lande unabhängig ist und allein mit Bord-mitteln ausgeführt werden kann. Dabei kommt es nicht blos auf dieerste Hülfe auf dem Schlachtfelde und dem Landungsplatze an, sondernes gilt — namentlich in unwirklichen und uncivilisirten Gegenden —die Verwundeten auf jeden Fall sämmtlich und in kurzer Zeit wiederan Bord zurückzubringen. Das Sanitätsmaterial muss bei möglichsterVollständigkeit möglichst leicht und doch so solide und dauerhaft sein,dass es in den Landungsbooten bequem untergebracht, auf dem Marscheins Land leicht transportirt und weder durch Nässe noch auf andereWeise leicht beschädigt worden kann. Im Gegensatz zu den Verhält-nissen an Bord selbst während eines Kampfes ist bei Landungen auf dieUnterstützung der Krankenträger durch die kämpfende Truppe nur aus-nahmsweise zu rechnen, auch in den Gefechtspausen nicht, da dieTruppen durch die Mitführung der 'militärischen Kampfhülfsmittel (Mu-nition, Geschütze, Zelte, Kochgeschirr, Werkzeuge aller Art u. dgl.), dienicht mit Wagen und Bespannungen transportirt werden können, in An-spruch genommen sind.
Das Sanitätspersonal für Landungen besteht für jedes Schiff auseinem Arzt und den etatsmässigen Krankenträgern, von denen nur sovielan Bord zurückbleiben, als zur Bedienung einer Transportstation erfor-