Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
392
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392 Nocht,

Dampfdesinfectionsapparat, Eismaschine, Wäscherei, Kühlkammern zumOonserviren von Lebensmitteln und auch einen Fahrstuhl zum Kranken-transport. Man konnte an Bord bequem 200 Verwundete unterbringen.Das Heilpersonal bestand aus vier Aerzten, acht Krankenwärtern undeinem Leichendiener zum Einbalsamiren der Leichen. Das Schiff war in16 Tagen zum Gebrauch fertig. Es war hauptsächlich zum schnellenTransport der Verwundeten nach dem Norden bestimmt, diente aberauch eine kurze Zeit als stationäres Hospitalschiff bei der Schlacht-flotte. Es nahm im Ganzen 379 Kranke und Verwundete auf. An Bordkamen nur sechs Todesfälle vor. (Diese Angaben sind den Archives demedecine Navale 1899, No. 4 entnommen.)

Die freiwillige Krankenpflege in einem Seekriege wird sichnach der Uebereinstimmung aller Autoren im wesentlichen nur in denKriegshäfen und an der heimischen Küste an Land bethätigen können.In See wird sie nichts zu suchen haben. Die Kosten für die Mictheeines grossen Dampfers, mit der Aussicht, für alle Beschädigungen des-selben und event. auch für seinen Totalverlust, da die Lazarettschiffesich nicht des Schutzes der Genfer Convention erfreuen, einstehen zumüssen, sind für die freiwillige, private Hülfe viel zu hoch. Höchstenskäme in Frage, dass die sanitäre Ausrüstung eines im Uebrigen vomStaate zur Verfügung gestellten grossen Fahrzeuges von der freiwilligenKrankenpflege bestritten und dass das Sanitätspersonal durch sie gestelltwird oder dass kleinere Dampfer für kürzere Transporte und zu Special-zwecken aus den Mitteln der freiwilligen Krankenpflege ausgerüstetwerden. Aus militärischen Gründen werden solche Schiffe nur ausnahms-weise dazu herangezogen werden können, um die Verwundeten von denKriegsschiffen, die im Kampf gewesen sind, aus erster Hand zu über-nehmen. Man wird diese Schiffe im Allgemeinen gar nicht erst in denBereich des ganzen Operationsgebietes der kämpfenden Flotten zulassen.Es kann sich nur darum handeln, dass sie heimkehrende Kriegsschilfeoder überfüllte militärische Lazarettschiffe entlasten und den Transportder Verwundeten von der Rhede resp. den Flussmündungen stromauf-wärts, z. B. von Cuxhaven oder Helgoland nach Hamburg und weiterins Land hinein übernehmen. Auf solche gelegentliche Hülfe muss dieBethätigung der freiwilligen Krankenpflege in See beschränkt bleiben;eine systematische Mitwirkung beim Verwundetentransport und der erstenHülfe in und unmittelbar nach einer Seeschlacht kann ihr aus militä-rischen Rücksichten nicht gewährt werden. Der Versuch, ein Lazarett-schiff schon im Frieden für den Krieg fertig zu stellen und dauerndbereit zu halten, ist neuerdings von der ((österreichischen Gesellschaftvom Rotten Kreuze unternommen worden. Das SchiffGraf Falken-hayn" hat Belegraum für 102 Verwundete (davon für acht Officiere),eine vollkommen gesonderte Infectionsabtheilung und zwei Badekabinen.Diese Zahl der Badekabinen erscheint sehr knapp bemessen. Zwei zer-legbare Flösse sind für die Ein- und Ausschiffung von Verwundeten anBord, auch sind Vorrichtungen vorhanden, um die Verwundeten in lie-