Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
389
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Specielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Kriege.) 389

stellen müssen, mit sich, dass die in der Fachliteratur niedergelegtenBeschreibungen von Transportschiffen, die bei früheren Expeditionen ge-braucht wurden und von den älteren Typen unter den noch im Dienstbefindlichen Krankentransport- und Lazarethschiffen im Grunde nur nochgeschichtliches Interesse für uns haben.

Wir finden, was die für die eigne Schlachtflotte bestimmten Lazarett-schiffe anbetrifft, wohl in keiner Marine Schiffe, die etwa schon im Frie-den für diesen Zweck dauernd eingerichtet oder vorbereitet sind. Aeltere,noch seetüchtige, aber militärisch für den modernen Seekrieg nicht mehrgeeignete Kriegsschiffe sind zwar gewiss noch als Lazarettschiffe sehrgut zu verwenden; man benutzt sie aber lieber im Frieden wie im Kriegezu andern Zwecken, denen sie dauernd dienen können, z. B. als Uebungs-schiffe, Vermessungsfahrzeuge, Transportschiffe u. dgl. Alte nicht mehrseetüchtige Schiffe werden als Kasernen und stationäre, schwimmendeHospitäler verwandt. Als Lazarettschiffe schickt man im Kriege lieberschnelle, moderne Handelsschiffe der eigenen Flotte zu Hülfe. So sollennach der Deutschen Marinesanitätsordnung im Kriege als Lazarettschiffegrosse moderne, zum überseeischen Transport eingerichtete Passagier-dampfer mit hohen lichten Decks und mit voller Ausrüstung und Be-satzung, fertig zum Auslaufen verwandt werden.

In der That sind diese schnellen Schiffe ganz besonders für diesenZweck geeignet. Sie weisen von vornherein eine Menge von Einrich-tungen auf, die ohne Weiteres für die Krankenpflege sehr willkommensind, z. B. die prachtvollen, in sehr reichlicher Anzahl vorhandenenBaderäume für die Kajütspassagiere, Waschhäuser, grosse und gut ein-gerichtete Aborte, grosse Wassertanks, Wasserleitung durch das ganzeSchiff, grosse Küchen und Vorrathsräume, Dampfheizung, elektrischeBeleuchtung, elektrische Klingeln, grosse, bequeme Treppen u. s. w. Diehohen, hellen Decks können leicht und in sehr kurzer Zeit zu Kranken-sälen umgewandelt werden, die Kabinen dienen für kranke und verwun-dete Officiere, für die Aerzte und das Wartepersonal, als Apothekenu. s. w. u. s. w.

Der gewöhnliche Frachtdampfer eignet sich dagegen nicht zum La-zarettschiff. Seine grossen leeren Laderäume müssen erst vollständigausgebaut und eingerichtet werden, was, abgesehen von den Kosten, vielzu lange Zeit erfordern würde. Die Frage, ob man hölzerne oder eiserneSchiffe vorziehen soll, erledigt sich dadurch von selbst, dass es modernePassagierdampfer von Holz gar nicht mehr giebt. Die Forderung, dassein als Lazarettschiff zu verwendender Dampfer keine Ladung an Güternoder wenigstens nur solche führen darf, welche die Kranken nicht durchGeruch oder anderweitig belästigt, erscheint selbstverständlich; es istaber dagegen früher viel bei überseeischen Expeditionen gesündigtworden.

Der dem Mann auf einem Lazarettschiff zu gewährende Raum sollbei uns möglichst 15 cbm betragen. Unsere grössten Auswanderer-schiffe können ca. 2000 Passagiere beherbergen. Der dabei gesetzlich