388 Nocht,
Schiffe und Torpedoboote wagen. Auch haben die kämpfenden Schiffeweder die Zeit noch genügend sichere Gelegenheit, um den Kampfunterbrechen, in der Nähe des Lazarettschiffes verweilen und die Ver-wundeten ausschiffen zu können. Darauf kann nur ganz ausnahmsweisebeim Ausbrechen eines Schiffes aus der Gefechtsformation, fern vomKampfplatz und wenn es nicht verfolgt wird, gerechnet werden. DieThätigkeit der Lazarettschiffe beginnt im Allgemeinen erst nach derSchlacht.
Für die Gegend des Kampfplatzes kommt nur das Lazarettschiffdes Siegers in Frage, das sich auch der Verwundeten auf den feindlichen,manövrirunfähig zurückgebliebenen oder eroberten Schiffen annehmenmuss. Die Lazarettschiffe des besiegten Theiles müssen mit ihrer Flottedas Schlachtfeld verlassen und können ihren Schiffen erst weit ab vomSchlachtfeld Hülfe bringen. Die Aufgabe der Lazarettschiffe wird umso schwerer, wenn der Kampf nicht in der Nähe, der heimischen Küsten,sondern auf hoher See stattgefunden hat und ein längere Zeit erfordern-der Transport der Verwundeten bis nach den heimischen Häfen nöthigwird. Noch grösseres muss geleistet werden, wenn es sich darumhandelt, der Flotte an fernen Gestaden, z. B. beim Blokiren feindlicherHäfen und Küstenstrecken Hülfe zu bringen. Endlich kommen Lazarett-schiffe noch bei kolonialen Unternehmungen in Frage und zwar sowohlals Transportschiffe, um Verwundete und Kranke nach der Heiraathzurückzubringen, Avie als stationäre Lazarettschiffe in Gegenden, wo dielocalen Verhältnisse an der Küste wegen ihrer Unwirthlichkeit oder desungesunden Klimas wegen die Unterbringung und Behandlung der Ver-wundeten und Kranken an Land verbieten.
Sowohl in der allgemeinen Beschaffenheit, wie in der speciellen,sanitären Einrichtung und Ausrüstung der Lazarettschiffe sind nachdiesen verschiedenen Aufgaben auch mehr oder weniger grosse Ansprüchezu erfüllen; besonders für koloniale Unternehmungen an fernen, uneivi-lisirten und ungesunden Küsten sind ganz specielle Aufgaben zu lösen,die, ohne dass man ganz bestimmte Einzelfälle im Auge hat, von all-gemeinen Gesichtspunkten aus nicht beurtheilt werden können. Wirmüssen uns für unsere Zwecke darauf beschränken, die Anforderungenzu besprechen, die an die Lazarettschiffe zu stellen sind, welche Ver-wundete aus einer Seeschlacht hinweg und in den Hafen bringen sollen.
Die bisher im Ernstfall benutzten und in der Literatur beschriebenenLazarettschiffe weisen, der Verschiedenartigkeit ihrer Bestimmung ent-sprechend, grosse Unterschiede in Grösse, Einrichtung und Ausrüstungauf. Namentlich die Engländer und Franzosen haben in der Einrichtungsolcher Schiffe grosse Erfahrungen gesammelt und benutzen noch heuteregelmässig Krankentransportschiffe, um Kranke und Verwundete ingrösserer Zahl aus ihren Kolonien in die Heimath überzuführen. In-dessen bringen es die ungeheuren Fortschritte im modernen Schiffsbauund die immer von neuem erhöhten Ansprüche, die wir in jeder Be-ziehung auch an Bord an die Pflege der Kranken und Verwundeten