Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
390
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390 Nocht,

auf jede Persou entfallende Kubikraum beträgt 2,85 cbm, also denfünften Theil von dem für einen Kranken auf einem Lazarettschiff nötliigerachteten Luftraum. Da nun für ein Lazarettschiff noch eine grosseMenge von Nebenräumen nöthig sind, die zum Theil in den Passagier-decks hergestellt werden müssen Operationssaal, Geschäftsräumeu. dgl. so würden auch unsere grössten Passagierdampfer als La-zarettschiffe nicht viel mehr als 300 Verwundete beherbergen können.Ein mittlerer Passagierdampfer würde 80100 Verwundete aufnehmenkönnen. Um die Schlachtschiffe einer Flotte nach einem Kampf zuentlasten, würden unter Umständen zwei bis drei solcher kleineren oderein grosses Lazarettschiff für 300 Verwundete erforderlich sein. Mehrerekleinere Lazarettschiffe sind aus Gründen, die auf der Hand liegen,einem einzigen grösseren vorzuziehen. Auf der anderen Seite würde esden Betrieb sehr erschweren, grosse Kosten und viel zu viel Personalerfordern, wenn man die Schiffe noch weitläufiger belegen wollte. Dannwäre unter Umständen ein kleines Geschwader von Lazarettschiffen ein-zurichten. Bei guter Ventilation genügen 15 cbm Luftraum auf denKopf auch für Verwundete und Kranke. In vielen Räumen sind unseremodernen Passagierdampfer schon an und für sich ganz gut ventilirt.Wo sich Mängel zeigen, können leicht Oeffnungen eingeschnitten undLüftungskanäle nach Deck gelegt werden. Wir finden jetzt schon aufvielen modernen Schiffen kleine, sehr practische, transportable Ventila-tionsflügelräder, die durch den elektrischen Strom betrieben werdenkönnen. Mit diesen Apparaten sollten unsere Lazarettschiffe überreich-lich ausgerüstet werden, sie lassen sich, da die modernen Schiffe allemit elektrischen Maschinen versehen sind, in allen möglichen Oeffnungenohne weiteres anbringen und durch einen einzigen Handgriff in undausser Betrieb setzen. Weitere hygienisch-technische Einzelheiten überdie Ventilation der Schiffe können wir hier nicht erörtern, nur daraufwollen wir noch aufmerksam machen, dass die Krankenräume für. dieTropen mit Punkahs grosse, von der Decke herabhängende mit Lein-wand überspannten Rahmen, die durch Maschinenkraft hin- und her-bewegt werden ausgerüstet sein müssen.

Auch wird event. auf die Zuleitung von künstlich durch Eismaschinenabgekühlter Luft, wie sie schon vielfach an Bord für Kühlräume zumFleischtransport hergestellt wird, Bedacht zu nehmen sein. Auf einigen,modernen, grossen Schnelldampfern wird den Passagierkammern undSalons der ersten Kajüte im Sommer in der Fahrt zwischen Englandund Amerika jetzt schon regelmässig nach Bedarf gekühlte Luft zuge-führt. Für die kühlere Jahreszeit lassen sich Dampfheizeinrichtungenüberall anbringen. Als Lagerstelle würde bei uns die in unserer Marinebewährte und in dem Abschnitte über die Krankenfürsorge an Bord imFrieden beschriebene Schwingekoje verwendet werden. Mehr als zweiDecks sollen gemäss unserer Marinesanitätsordnung mit Verwundetennicht belegt werden. Die grösseren und luftigeren Räumlichkeiten sollenfür Schwerkranke und Schwerverwundete, die weniger günstig gelegenen