Speoielle Kranken Versorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Kriege.) 383
Nach den bisherigen Bestimmungen unserer Marinesanitätsordnungsollen die Mannschaften für Gefechte an Bord in der Kegel nicht mitVerbandpäckchen, wie sie jeder Mann in der Armee im Kriege mit sichführt, ausgerüstet werden. Ich glaube aber, dass es doch unter Um-ständen sehr erwünscht sein kann, wenn man auch an Bord mit dieseneinfachen Mitteln leichtere Verwundungen sofort verbinden und das beider ambulanten Thätigkeit während der Gefechtspausen von den Laza-rethgehülfen für den Arzt mitgeführte Verbandmaterial für Schwer-verwundete, bei denen umfangreichere Verbände nöthig werden, reser-viren könnte.
Eine centrale Station, kugelsicher unter der Wasserlinie belegen,ist hauptsächlich dafür noch beizubehalten, damit man dort ein sicheresDepot für Verbandmittel, Instrumente etc. hat. Auch können einzelneVerwundete in den längeren Gefechtspausen dorthin gebracht worden.Diese Verwundeten werden aber erst von den Aerzten auf den Lager-plätzen ausgesucht und bezeichnet werden müssen. Es können dafürnur solche Fälle in Frage kommen, die grössere, unaufschiebbare Ope-rationen in einem besonderen Operationsraum nöthig machen. SolcheVerwundeten werden von den eigentlichen, im Gefecht nur für diesenDienst bestimmten Krankenträgern nach dem dazu bestimmten Opera-tionsraum transportirt werden müssen. Die übrigen Verwundeten werdenwohl während des ganzen Gefechtes auf den oberen, nicht kugelsicherenLagerungsplätzen verbleiben müssen und können wahrscheinlich nur aus-nahmsweise in einer grösseren Gefechtspause, in der Regel aber erstnach der Schlacht langsam und nach und nach in Sicherheit gebrachtwerden. Dann brauchen sie auch nicht mehr alle auf einer Central-station gesammelt zu werden, sondern man wird sie an verschiedeneRäume unten im Schiffe vertheilen, wo sie ruhig und bequem gelagertwerden können. Auch für diesen Transport kommen wieder nur dieeigentlichen Krankenträger in Betracht. Die verfügbaren Plätze sindihnen vorher bekannt zu geben, auch die Wege müssen sie genau kennen.Die Vertheilung der Verwundeten muss ein Arzt oder Lazarethgehülfeleiten.
Aus den Gefechtsstellen, die etwa oben um die Masten herumetablirt sind, können Verwundete wahrscheinlich ebenfalls erst nach derSchlacht heruntergeschafft werden. Man kann aber dort für die ersteHülfeleistung' einen Lazarethgehülfen oder Krankenträger mit Verband-material postiren.
Man nimmt an, dass die modernen Seeschlachten nur verhältniss-mässig kurze Zeit, event. nur einige Stunden dauern werden (die Schlachtam Jaluflusse hat vier Stunden gedauert) und man darf daher erwarten,dass auch unter den neuen, gegen früher gänzlich veränderten Verhält-nissen an Bord die erste Hülfe den Verwundeten, denen sie überhauptgebracht werden kann, meist immer eher als in Landgefechten wird dar-geboten werden können, auch wenn der Verwundetentransport den mili-tärischen Anforderungen gegenüber zurückstehen muss. Bei der verän-