Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
381
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Specielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Kriege.) 381

gepanzerten und geschlossenen Gefechtsabtheilung aufgestellt. Hierzukommen der gepanzerte, geschlossene Commandothurm und die grossen,durch gepanzerte Brustwehren abgeschlossenen Platformen, hoch obenum die Masten herum, auf denen mehrere Geschütze und oft bis zu50 Menschen stationirt sind. So zerfällt das ganze Schiff in eine An-zahl von einander und von den unteren, die sogenannten vitalen Theiledes Schiffes enthaltenden Räumen unabhängigen Gefechtseinheiten, diewährend des Kampfes von aussen unzugänglich sind und nur mit demCommandothurm durch Sprachrohre, elektrische Leitungen u. dgl. ver-bunden sind. Dabei ist der Panzer, der diese Kampfabtheilungen um-giebt, nirgends gegen alle Geschosse unverwundbar. Wenn er aberdurchbrochen ist, kann man gleichzeitig damit Massen Verluste unter dendort kämpfenden Mannschaften erwarten.

Was endlich die Wahl des Verbandplatzes anlangt, so sind auf denSchiffen moderner Construction die unteren Schiffsräume nur selten sobeschaffen, dass sie den Anforderungen an einen Centralverbandplatz,nach welchem alle Verwundeten hingebracht werden können, entsprechen.Hierzu braucht man leicht erreichbare, grosse Räume, in denen dasSanitätspersonal ungestört und unbeengt seinen humanitären Pflichtenobliegen kann und in denen die Verwundeten, nachdem sie verbundensind, bequem und ruhig gelagert werden können. Heutzutage finden wiraber in den unteren Schiffsräumen, die in Frage kommen können, über-all Maschinen, die sehr viel Platz wegnehmen, oft eine unerträglicheHitze verbreiten und deren Bedienungsmannschaften dem Sanitätspersonalüberall im Wege sind. Aber auch wenn für die Lagerung aller zu er-wartenden Verwundeten genügender Platz zu finden wäre, würden aufeinem solchen centralen Verbandplatz in den unteren Räumen eines mo-dernen Schiffes Schwierigkeiten dadurch entstehen, dass kaum für ge-nügende Lüftung während des Gefechtes gesorgt werden könnte, undes ist von Französischen Marineärzten mit Recht die Frage aufgeworfenworden, ob man es wegen der Luftverschlechterung, die sich dort untenin kurzer Zeit einstellen würde, wagen dürfte, mehrere Personen daselbsthintereinander zu chloroformiren.

Wenn man alle diese den modernen Kriegsschiffen eigenthümlichenVerhältnisse zusammen erwägt, so gelangt man zu der Ueberzeugung,dass die für die älteren Kriegsschiffe und die Seegefechte früherer Zeiteneingeführte Organisation des Verwundetentransportes und der ersten Für-sorge für die Verwundeten an Bord, die einen ununterbrochenen, ruhigenTransport der Verwundeten von dem Orte, an dem sie gefallen, bis aufeinen centralen Verbandplatz durch die etatsmässigen Krankenträgerallein, sowie eine stationäre Thätigkeit der Aerzte auf dem centralenVerbandplatz voraussetzt, jetzt nicht mehr ernsthaft durchgeführt wer-den kann.

Meiner Ansicht nach, die ich mir nach eigenen Erfahrungen gebildethabe und die mit den bisher in der neueren Literatur, namentlich seitensFranzösischer und Italienischer Marineärzte veröffentlichten Organisations-