Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
380
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380 Nocht,

Die Verwundungen waren im Allgemeinen von sehr schweremCharakter. Auf chinesischer Seite sind die Verluste nach den Schätzun-gen, welche europäische Marineofficiere nach der Rückkehr der Schiffe,die noch übrig geblieben waren, in dem Hafen an Bord vornahmen, nochviel grösser gewesen. Indessen haben genaue Zahlen nicht festgestelltwerden können. Die Verluste der Schiffe der Vereinigten Staaten vonNordamerika in den Seegefechten mit den Spaniern im letzten Kriegewaren sehr gering, die der Spanier dagegen sehr gross. Dies Miss-verhältniss entsprach den ausserordentlich ungleichen Kräften der beidenGegner. Alle militärischen Autoren, die sich mit dem modernen See-gefecht beschäftigt haben, stimmen darin überein, dass auf unserenmodernen Kriegsschiffen im Gefecht schon nach verhältnissmässig kurzerZeit sehr grosse Verluste an Mannschaften zu erwarten sein werden.Im Gegensatz zu den Landgefechten sind die Nichtcombattanten (Ma-schinenpersonal, Aerzte, Krankenträger u. s. w.) dabei ebenso gefährdet,wie die Gefechtsmannschaften. Nur das unter der Wasserlinie beschäf-tigte Personal scheint vor Verwundungen sicherer zu sein. Zu dendirecten AVirkungen durchschlagender Geschosse gesellen sich überall anBord die oft viel weiter gehenden, indirecten Wirkungen umherfliegendeSplitter abgeschossenen und in Brand gerathenen Holzes, sonstige Feuers-gefahr, Explosionen, Schiffsuntergang.

Es ist nun ausgeschlossen, dass der Verwundetentransport in einemmodernen Seegefecht so wie früher während des ganzen Kampfes un-unterbrochen vor sich gehen kann. Die neuen Kriegsschiffe sind miteiner grossen Anzahl von Quer- und Längswänden im Inneren versehenund dadurch in sehr viele von einander ganz getrennte, wasserdichteAbtheilungen getheilt, damit das Schiff auch dann noch schwimmfähigbleibt, wenn es an einer oder mehreren Stellen leck geschossen ist. Inden Abtheilungswänden, die Schotten genannt werden, befinden sichzwar Thüren; indessen müssen diese Thüren, damit die ganze Construc-tion ihren Zweck erfüllt, gerade während des Gefechtes geschlossenbleiben. Auf den neuesten Kriegsschiffen sind überdies auch dieseThüren soweit als irgend möglich weggelassen, weil man sich der Un-sicherheit nicht aussetzen will, dass sie verbotenerweise geöffnet, zu spätoder gar nicht geschlossen werden, wenn das Schiff in Gefahr gerathenist. Man kann auf diesen Schiffen aus den einzelnen Abtheilungenhinaus und hinein nur vom Oberdeck aus gelangen. Die in den unterenSchiffsräumen belegenen Maschinen, Munitions- und Pulverkammern,Torpedoaufbewahrungsräume u. s. w. werden durch ein horizontalesPanzerdeck, das durch das ganze Schiff läuft, von dem Oberschiff ab-geschlossen. Damit ist die Sicherheit des Schiffes erheblich erhöht, derVerkehr von oben nach unten aber sehr erschwert und auf einige Lukenbeschränkt, die im Gefecht zum Theil ebenfalls geschlossen gehaltenwerden müssen. Endlich sind die grossen, schweren Geschütze in derRegel einzeln oder zu zweien in besonderen, abgeschlossenen Panzer-thürmen untergebracht und die mittelgrossen Geschütze ebenfalls in einer