Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
379
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Specielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Kriege.) 379

allein zur Verfügung. Hier unten blieben die Aerzte zum mindestender ältere Arzt während des ganzen Gefechtes. Gelegentlich wurdeder Assistenzarzt nach oben befohlen, um den Verwundetentransport zuleiten. In vielen Marinen hatten die Aerzte mit dem Verwundeten-transport im Gefecht reglementsmässig bis zum heutigen Tage gar nichtszu thun. So bildete es eine ständige Klage der Französischen Marineärzte,dass sie officiell weder beim Unterricht noch bei der Ausübung dieseswichtigen Zweiges des Sanitätsdienstes im Kriege betheiligt waren. Siesahen die Verwundeten erst auf dem Verbandplatz. Auch die ganzeOrganisation der ersten Hülfe für die Verwundeten im Gefecht ging sienichts an, während bei uns der Schiffsarzt von jeher im Einvernehmenmit dem ersten Officier den Plan für alle dabei in Betracht kommendenVerhältnisse gleich nach der Indienststellung des Schiffes feststellt:Hierzu gehört die Auswahl und Einrichtung des Verband- uud Lagerungs-raumes für die Verwundeten, die Feststellung der Transportwege unddie Art des Transportes, die Vertheilung des Sanitätspersonales, ein-schliesslich der Krankenträger u. s. w. Auch die Ausbildung derKrankenträger lag und liegt auch jetzt noch bei uns allein in den Hän-den der Aerzte. Die für den Sommerdienst unserer Kriegsschiffe er-forderlichen Krankenträger werden in den Kriegshäfen in grosse, ge-meinschaftliche Unterrichtsabtheilungen formirt und von mehrerenAssistenzärzten unter Leitung eines Oberarztes theoretisch und practischschon während des Winters vorgebildet. An Bord der Schiffe selbstunterrichtet und übt sie der Hüifsarzt nach Anweisung des Schiffsarztesweiter.

Mit der Zeit ist nun aber der Bau unserer Kriegsschiffe immerverwickelter geworden und damit haben sich die Schwierigkeiten fürden Transport und die erste Hülfeleistung für an Bord im Gefecht Ver-wundete ganz ungemein vergrössert. Dies gilt besonders für diegrösseren Schiffe, während früher, je grösser das Schiff war, auch seineinneren Räume um so einfacher, übersichtlicher und geräumiger wurden.Da man ferner jetzt von allen für die See benutzbaren KampfmittelnGebrauch macht und jeder Gefechtsapparat seine eigene Bedienungs-mannschaft erfordert, so ist trotz der vielen Maschinen an Bord, welcheden Betrieb erleichtern, doch die Anzahl der Schiffsbesatzungen gegenfrüher nicht kleiner, sondern eher grösser geworden.

Zum ersten Mal wieder seit langer Zeit sind Kriegsschiffe undzwar solche von modernster Bauart und Einrichtung in grössererAnzahl gegeneinander im Gefecht gewesen in der Schlacht um die Mün-dung des Jaluflusses im letzten Kriege zwischen Japan und China. DerKampf dauerte Inehrere Stunden und die Anzahl der Verwundeten warsehr beträchtlich. So wurde auf dem japanischen Kreuzer Matsushimaüber ein Viertel der Mannschaften durch Verwundung ausser Kampf ge-setzt. Durch ein einziges Projectil wurden auf diesem Schiffe30 Menschen getödtet, 70 verwundet, auf einem anderen 14 getödtetund 27 verwundet.