Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
374
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374 Nocht,

Im Auslande kommt es nur selten vor, class die vorgeschriebeneReiseroute geändert wird, weil ein Kranker ausgeschifft werden soll.Wenn die militärischen Rücksichten es aber irgend gestatten, wird einemdie Notwendigkeit einer solchen Maassregel begründenden Antrag desSchiffsarztes immer nachgegeben.

Aehnlich wie in der Deutschen Kriegsmarine sind die Verhältnisseauf den Kriegsschiffen der übrigen grossen Nationen. Die Unterschiedeberuhen meist auf nationalen Eigenthümlichkeiten in der Beköstigungder Kranken, der Arzneizusammensetzung und Arzneibehandlung, derLagerung u. dergl. Man darf aber mit Grund behaupten, dass dieDeutsche Marine in der Verwirklichung des humanen Bestrebens,die Krankenpflege an Bord mehr und mehr zu verbessern, an derSpitze steht und dass man den dafür zu stellenden wissenschaftlichenAnforderungen auf unsern Kriegsschiffen soweit Rechnung zu tragen be-müht ist, als es die militärische Bestimmung eines Kriegsschiffes alsKampfmittel irgend erlaubt.

Die Ausstattung unserer Kriegsschiffe mit Aerzten, übrigem Sa-nitätspersonal, mit Arzneien und anderen Hilfsmitteln zur Krankenpflegeist im Allgemeinen ebenso gut wie in den neuen Militärhospitälern.Auch die Beköstigung der Kranken lässt nichts zu wünschen übrig.Für die Unterkunft der Kranken erwachsen gerade auf den neuestenPanzern, gegenüber den zwar noch im Dienst verwendeten, aber als un-modern geltenden Kriegsschiffen wieder neue Schwierigkeiten, die durchden complicirton Bau, den Raummangel und die vielen Maschinen, derenLeitungen und Apparate überall hinreichen und im Wege sind, ge-schaffen werden. Auf den älteren Korvetten und Panzern, die jetzt zumTheil noch als Kreuzer und Schulschiffe benutzt werden, war der Raumweniger knapp bemessen, und die Verhältnisse lagen überhaupt viel ein-facher. Dafür stehen jetzt wieder viel vollkommenere, technische Hülfs-mittel zur Verfügung, um auch unter den verwickelten Verhältnissen aufden neuesten Schiffen den Anforderungen der Hygiene für die Unter-bringung der Kranken an Bord zu entsprechen. Namentlich ist zuhoffen, dass die Schwierigkeiten, die sich jetzt noch vielfach einer voll-kommneren Lüftung der Schiffslazarethe entgegenstellen, durch die reich-lichere Anwendung elektrischer Ventilationsmaschinen überwunden werden.Bei sehr guter Lüftung dürfte eine Raumgrösse von 15 cbm auf denKopf in einem Schiffslazareth unter allen Umständen genügen. Sehrschwer wird e"s gerade in der Zukunft voraussichtlich fallen, den Krankenan Bord die nöthige Ruhe vor dem Lärm der Maschinen und des Diensteszu verschaffen und die Schiffslazarethe vor der sehr unwillkommenen,zu grossen Durchwärmung durch benachbarte Maschinen und Dampf-leitungen zu schützen. Man darf aber überzeugt sein, dass auch indieser Beziehung alle Mittel aufgeboten werden, damit Kranke an Bordunserer Kriegsschiffe so gut, als es technisch möglich ist, aufgehoben sind.