Specielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Frieden.) 369
Dampfes), beschmutzt (etwa durch Oeltheilchen, die vorn Dampf ausder Maschine mitgerissen sind) oder sonst beschädigt werden, gewisseVorsichtsmaassregeln beobachtet werden. U. a. muss das Aufnahmegefässvorher mit Segeltuch ausgelegt werden, das Dampfrohr soll nicht directauf die Kleider etc. Dampf auslassen, sondern soll nach dem Boden zuabgebogen sein und zunächst in einen durch Lattenverschlag herzustellen-den Hohlraum münden, so dass der Dampf die Gegenstände erst indirecttrifft u. s. w. u. s. w. Nach 5—10 Minuten zeigt das Thermometer,das in die Oeffnung, durch welche der ausströmende Dampf das Gefässwieder verlässt, eingesteckt werden soll, 100° C. an. Von diesem Zeit-punkt an soll der Dampf noch eine Stunde auf die zu desinficirendenGegenstände einwirken. Ein mit diesem primitiven Verfahren unab-änderlich verbundener Uebelstand besteht darin, dass die Kleider, Wäscheetc. total durchnässt, aus dem Apparat herauskommen. Wenn mandafür feste Desinfectionskammern einrichtet, wie sie nach meinen An-gaben auf einigen Hamburger Handelsdampforn eingeführt sind, sokönnen die zu desinficirenden Gegenstände vorgewärmt und nachge-trocknet werden und viele andere kleine Uebelstände und Fehlerquellenvermieden werden, die mit solchen Improvisationen immer verbundensind. Für die Desinfection des Lazareths selbst, des Wartepersonales,Essgeschirres u. s. w. bestehen sehr genaue Vorschriften. Diese Des-infectionen werden mit Carbolsäure resp. Oarbolseifenlösung ausgeführt.
Neben dem Lazareth und nur von diesem aus zugänglich befindetsich auf unseren Kriegsschiffen ein besonderes Closet für Kranke (Wasser-closet) mit Handhaben, damit sich die Kranken bei Seegang festhaltenkönnen. In kleineren Lazarethen finden wir eine Badewanne im La-zareth, die, wenn sie nicht gebraucht wird, unter einer Koje steht.Grössere Lazarethe haben eine besondere Badekammer mit Wanne undBrause, vom Lazareth aus direct zugänglich. Als Badewasser wird See-wasser (durch directes Aufpumpen mittelst einer in der Ba'dekammerbefindlichen Pumpe), ein Gemisch von Seewasser und Süsswasser oderSüsswasser allein benutzt. Leitungen aus den Süsswassertanks nachdem Lazareth oder der Badekammer finden sich nur sehr selten. Inder Regel muss das Wasser in Gefässen dorthin geschleppt werden.Angewärmt wird das Badewasser durch Dampf (Dampfleitung ins La-zareth resp. in die Badekammer).
Die Mannschaften, welche sich krank melden oder bei den regel-mässigen oder durch besondere Verhältnisse bedingten, aussergewöhn-lichen, ärztlichen Untersuchungen der Mannschaft gefunden werden,werden vom Wachtmeister dem xlrzt im Lazareth (wo zwei Aerzto anBord, zunächst dem Hülfsarzt) vorgeführt, der über ihre Befreiung vomDienst, Aufnahme ins Lazareth u. s. w. bestimmt, vorbehaltlich dernachherigen Zustimmung des Oberarztes. Ueber den täglichen Kranken-stand wird dem Commandanten vom Schiffsarzt bei der Musterung einRapport überreicht, der durch mündliche Mittheirungen ergänzt wird.Nach • der Musterung wird die Hauptvisite vorgenommen. Die nicht
Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. II. Bd. 2. Abth. 94