Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
367
Einzelbild herunterladen
 

Specielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Frieden.) 367

Die Wände und der Fussboden des Schiffsl.azarcths sind wie dieübrigen Räume an Bord der modernen Kriegsschiffe jetzt meist ausEisen. Der Fussboden erhält aber in der Regel einen Linoleumbelagund die Wände werden zum Schutz gegen zu grosse Abkühlung undNiederschlag von Feuchtigkeit mit Korkstückchen, die der Anstrichfarbebeigemischt sind, dicht bedeckt. Wo wir noch hölzerne Fussboden an-treffen, sind sie mit heissem Leinöl undurchgängig gemacht. Der An-strich der Wände ist weiss (Oelfarbe). Die Eingangsthür soll mindestens1 Meter breit sein. Die Höhe des Lazareths beträgt wohl überall aufneuen Schiffen 2 Meter und mehr.

Weder in den Schiffs!azarethen der Deutschen, noch, soweit uns be-kannt geworden, der ausländischen Kriegsschiffe finden wir zwei Lager-stätten übereinander, wie dies in den Lazarethen der grossen Handels-schiffe immer noch die Regel ist. Die Lagerstätten werden auf unserenKriegsschiffen durch eiserne Rahmenbettstellen gebildet, welche an jeeinem eisernen Ständer am Fuss- und am Kopfende in Höhe von 55 cmüber dem Fussboden so befestigt sind, dass sie nach beiden Seiten hin-und herschwingen und demgemäss auch bei starken Bewegungen desSchiffes um seine Längsaxe (Schlingern) ihre horizontale Lage beibehaltenkönnen (Schwinge- oder Schlingerkojen). Die Gefahr des Ueberkippensist durch die Art der Aufhängung ausgeschlossen. Die Kojen könnenübrigens durch Haken, welche von den Ständern, an denen die Kojeaufgehängt ist, ausgehend an den Ecken der Koje angehakt werden,festgestellt werden und im Aligemeinen ziehen es die Kranken vor. dieKojen fest zu haken, anstatt sie hin und her schwingen zu lassen, weilbei starkem Schlingern des Schiffes die schwingende Koje leicht eineEigenbewegung annimmt und dann so grosse Excursionen macht, dassdie Kranken bei festgestellter Koje schliesslich doch noch ruhiger liegen.Ausserdem können sie sich dann leichter umdrehen und aus der Kojehinaus- und wieder hineingelangen. Der Boden der Koje besteht ausSegeltuch. Drahtgewebe oder eisernen, durchllochtenen Bändern. AuchSpiralfedermatratzen sind in Gebrauch. Bei unseren Kojen hat derBoden einen doppelten, hoch und nieder stellbaren Kopftheil, der beiden Englischen Schwingkojen fehlt. An den Schmalseiten finden sichhölzerne Kopf- und Fussbretter. Die Seitenwände sind zum Heraus-nehmen oder Umklappen eingerichtet. Auf den Kojenboden kommt einedreitheilige Rosshaarmatratze, mit weisser Leinwand bezogen, darüberein ßetttuch, auf dem der Kranke liegt. Zum Zudecken dienen wolleneDecken mit Bezügen von weisser Leinwand. Kleine Holzgestelle, anden Seitenwänden der Koje eingehakt, dienen zur Aufnahme von Trink-gefäss, Spei- und Uringlas. Sehr zweckmässig ist die Einrichtung derEngländer, welche über jeder Krankenkoje ein Tau mit Handhaben, andem sich die Kranken aufrichten können, angebracht haben. Die Maasseunserer Kojen sind folgende: grösste Länge von Mitte Ständer bis MitteStänder 217 cm, grösste Breite 83 cm, Höhe des Ständers über Deck128 cm. Erhöhung der Koje über Deck bis zum Bügel 55 cm.