364 Noclit
Apotheker -werden nur im Kriegsfall auf den Lazarettschiffen ein-geschifft.
Was die Ausrüstung mit chirurgischen Instrumenten anlangt, so hatman jetzt in Deutschland endgültig mit dem früher allgemein und jetztnoch in manchen fremden Staaten, z. B. auch noch in England üblichenSystem gebrochen, wonach sich die Marineärzte ihre für die Ausübungihres Berufes an Bord nöthigen Instrumente selbst anschaffen müssen,gebrochen. Diese Sitte ist ein Ueberbleibsel von früheren Zeiten, als derArzt die gesammte Ausrüstung an Arzneien, Instrumenten, Verbandmittelnu. s. w. für die Krankenbehandlung an Bord von seinem Solde, resp.einem als Zulage dazu bewilligten Pauschquantum an Geld bestreitenmusste. Nur ein winziger Rest dieses alten Gebrauches hat sich beiuns in der Bestimmung erhalten, dass sich die Schiffsärzte eine einfachechirurgische Verbandtasche, sowie die Instrumente zur Auskultation undPerkussion selbst beschaffen müssen. Im Uebrigen ist die Ausrüstung•der Schiffe mit chirurgischen uud sonstigen, ärztlichen Instrumenten sehrreichlich bemessen und entspricht der einer gut ausgestatteten Männer-klinik eines modernen, mittelgrossen Krankenhauses. Dabei ist man denFortschritten und Aenderungen, die im Laufe der Jahre in den An-schauungen über die zweckmässigste Art der Ausstattung, der Aufbe-wahrung dieser Instrumente eingetreten sind, prompt nachgefolgt undhat unter Aufwand grosser Kosten die gesammte chirurgische Ausrüstungder Marine im Laufe der letzten Jahre mehrere Male von Grund auserneuert. Man hat aber dabei, sowie in der ganzen Frage der chirur-gischen Operations- und Wundbehandlungsmethode an Bord mit Rechtan dem Grundsatz festgehalten, dass an Bord unserer Kriegsschiffe einsicheres aseptisches Verfahren bei Operationen nicht immer möglichist. Eine unter allen Umständen zuverlässige Asepsis lässt sich nichtimprovisiren, sondern erfordert einen in sich geschlossenen, von aussenunabhängigen, regen Betrieb, der zu dem dafür erforderlichen Aufwandan Vorbereitungen in einem entsprechenden Verhältniss stehen muss. DieEinübung und Kontrole des niederen Personales kann nur in fortwäh-render Praxis in genügender Weise sicher gestellt werden. An Bordkommen in Friedenszeiten grössere Operationen nur selten vor; bei nochso genauer, sorgfältiger theoretischer Vorbereitung der Lazerethgehül-fen etc. würde demgemäss die so wichtige praktische Uebung für dieAseptik fehlen. Dazu kommen die an Bord immer zu erwartenden, un-vermeidlichen Störungen, welche Lücken in der Kette der nöthigen asep-tischen Maassnahmen verursachen. Im Kriege ist das aseptische Ver-fahren ganz ausgeschlossen. Aber auch im Frieden ist das antisep-tische Verfahren das allein sichere und auch seiner Einfachheit wegenfür Bordverhältnisse allein geeignete. Für die Zubereitung des antisep-tischen Verbandsmaterials hat man, trotz der vielen Schwächen, die derSublimatimprägnirung anhaften, in Ermangelung einer besseren Methodedieses Verfahren beibehalten. In der Quantität ist das Verbandmaterialjetzt reichlicher bemessen als früher, während in anderen Marinen, z. B.