Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

Specielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Frieden.) 357

ärzten eingeschifft. Die Aerzte resp. Wundärzte erhielten in der Regelausser ihrem Gehalt eine jährliche Geldsumine für Medikamente, Ver-bandzeug und Instrumente und oft klagten die Aerzte, dass dieseMittel zu knapp bemessen seien, und theure Arzneien, wie Chinarinde,damit nicht angeschafft werden könnten. Besondere Krankenkost gab esin der Regel nicht.

Die tägliche Ration an Salzfleisch, Hartbrot und Hülsenfrüchtenwurde den Kranken ebenso ausgetheilt, wie der übrigen Schiffsmann-schaft. Die meisten Schwerkranken verweigerten aber diese nicht einmal.für den Magen eines Gesunden auf die Dauer erträgliche, einförmige,unschmackhafte Kost oder sie konnten sie mit ihren geschwächten Ver-dauungsorganen nicht ausnutzen. So gingen viele Kranke allein an Er-schöpfung zu Grunde. Nur auf besonderen Befehl des Admirals wurdenin der Flotte leichtere Speisen, wie frisches Brot und Fleisch, Gemüseoder Stärkungs- und Erfrischungsmittel, Wein, Eier, Citronensaft, für dieKranken angeschafft und verabfolgt. In der holländischen Marine erhieltder Kapitän, dem für die Verpflegung der ganzen Mannschaft ein Pausch-cpiantum an Geld gezahlt wurde, für die Kranken einen kleinen Betragmehr, mit dem Erfrischungen und bessere Kost bestritten werden konnten.In der Englischen Marine dauerte es bis zum Jahre 1835, ehe besondereKrankenkost eingeführt wurde, obwohl die Flottenärzte, welche denSanitätsdienst der Geschwader leiteten, solche besondere Verpflegungfür die Kranken an Bord schon seit sehr langer Zeit forderten (CockburnEnde des 17., Blane Ende des 18. Jahrhunderts).

Wo es anging, wurden übrigens schon damals die Kranken von denSchiffen in Landhospitäler geschafft. Die Militär- und Marinehospitälerwaren aber bekanntlich noch bis tief in unser Jahrhundert hinein fastüberall sehr mangelhaft eingerichtet und bildeten die Brutstätte einerReihe von Infectionskrankheiten, insbesondere schwerer Wundepidemien.Oft erholten sich, wenn das Schiff erst in den Hafen gelangt war, unddie Verpflegung mit frischem Proviant aufgebessert werden konnte, diean Bord gebliebenen Kranken schneller als die in die Landhospitälerausgeschifften. In der Englischen Marine war für die Ausschiffung derKranken das Einverständniss der Landhospitalärzte nothwendig. Wenndiese einen ausgeschifften Kranken zurückschickten, weil nach ihrer An-sicht seine Behandlung im Landhospital nicht nothwendig war, so mussteder Schiffsarzt eine Strafe von 20 Schillingen bezahlen.

Erst als in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die Panzerschiffeaufkamen, wurden diese Verhältnisse besser. Die grösseren unter ihnenwaren überall mit festen Lazarethen ausgestattet. Noch in der 70 erJahren klagt aber Fonssagrives darüber, dass viele der grösserenFranzösischen Dampfkorvetten keine besonderen Krankenräume hätten.Man musste sich mit provisorisch hergestellten Schiffslazarethen behelfen.Gelegentlich wurden, wenn diese Korvetten, wie dies meist der Fall war,unter Segel waren, und die Maschine stillstand, auch die Maschinenräumeals Lazarethe benutzt.