Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
356
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356 Nocht,

Kranken auf den Transportschiffen. Die Venetiantischen Galeeren hattennach Rho Schiffsärzte an'Bord. Ihr Monatssold betrug im 16. Jahr-hundert 16 Lires. Hundert Jahre später hören wir von den erstenschwimmenden Lazarethen, die in Italien theils für die aus der Fremdekrank zurückkehrenden Seeleute, theils für Pestkranke errichtet wurden.In Frankreich erliess zuerst Ludwig XIII. bestimmte Anweisungen überdie Krankenpflege an Bord für die Kapitäne seiner Kriegsschiffe; u. a.sollten nurgute, unterrichtete und treue" Chirurgen für den Dienst anBord ausgewählt werden. Ludwig XV. von Frankreich ernannte dieSchiffsärzte selbst. Von dieser Zeit an datirt in Frankreich die Ein-richtung eines Marinesanitätscorps. Im Allgemeinen blieb die Kranken-fürsorge auf den Kriegsschiffen bis in unser Jahrhundert hinein äusserstdürftig und unvollkommen, nicht blos im Vergleich zu ihren heutigenLeistungen, sondern auch den damaligen Verhältnissen in den Land-armeen gegenüber. Noch auf den grossen Linienschiffen mit vielen Hun-dert Mann Besatzung, den gewaltigen Dreideckern, mit denen die Spanier,Holländer, Franzosen, Engländer, Russen, Dänen ihre Seeschlachtenschlugen, und die noch bis zum Anfang der zweiten Hälfte unseres Jahr-hunders den Hauptbestandtheil der Kriegsflotten ausmachten, gab esweder besonders eingerichtete, durch feste Wände abgeschlossene Kranken-räume, noch sonstige, der Landpflege gleichkommende Einrichtungen fürVerwundete und Kranke an Bord. Der Gesundheitszustand auf diesenSchiffen war in der Regel ungünstig; nach den uns von BJane und an-deren Autoren für die englische Marine aus dem Ende des vorigen undAnfange dieses Jahrhunderts überlieferten Nachrichten lag an Bord derEnglischen Kriegsschiffe dauernd durchschnittlich ein Fünftel der Besatzungund mehr schwer krank darnieder. Die durchschnittliche, jährliche Sterb-lichkeit betrug 140150 pm. Die Krankheiten, welche so viele Opferforderten, waren hauptsächlich Skorbut, exanthematischer und Abdominal-typhus, Malaria, Ruhr und Pocken. Die Kranken lagen hinter Segeltuch-vorhängen in Hängematten oder auch auf unmittelbar auf dem Fussbodenausgebreiteten Matten oder Matratzen im Vorderschiff oder, wie eine Zeitlang auf den Französischen Linienschiffen, im untersten Zwischendeck, indem der Arzt bei seinen Krankenbesuchen mit einer Laterne in der Handvon einer Matratze zur anderen kriechen musste. Später wurde allge-mein der vorderste Schiffsraum über dem Hauptdeck (Back) oder unterdemselben (Vorbatterie) als Schiffslazareth benutzt. Aber auch noch indiesem Jahrhundert vertrat dabei auf den meisten Schiffen Segelleinwanddie Stelle fester Wände. In dem so abgetheilten Raum fehlte es anjeder besonderen Ausstattung, etwa mit geeigneten Lagerstätten, Kranken-geschirr, Badevorrichtungen, Kloset u. dergl. Die Kranken brachten ihreHängematten mit dorthin. Indessen war der Raum, wenigstens bei gutemWetter, hell, geräumig 'und gut zu lüften. Die Behandlung und Pflegeder Kranken lag auf den kleineren und mittleren Schiffen in den Händenniederer Wundärzte und Heilgehülfen; nur auf dem Admiralschiff undden grössten Linienschiffen waren Aerzte als Schiffsoberärzte neben Wund-