Specielle Krankenversorgung für Soldaten. (Bei der Marine, im Frieden.) 355
sundheit auf dem Lande beansprucht. Man denke z. B. nur an denauf dem Lande für jeden einzelnen Bewohner geforderten Luftraum inden Wohnungen. Nur über das Maass der Beschränkungen, denen sich•die Gesunden an Bord unterwerfen müssen, kann man verschiedener An-sicht sein.
Wenn nun auch die Zahl der an Bord zu erwartenden Kranken.etwas höher anzusetzen ist, als für Menschen in demselben Alter undähnlichem Berufe auf dem Lande, so sind doch für gewöhnlich diepflegebedürftigen Kranken an Bord nie so zahlreich, als dass durch eine-angemessene Fürsorge für sie der Zweck der Schifffahrt und der Schiffs--betrieb in Frage gestellt werden könnte. Das gilt zum mindesten für.alle grösseren Schiffe. Gegenüber den allgemeinen Erbauungs- und Be-triebskosten für unsere modernen, grossen Dampfer (Kriegs- und Handels-schiffe) erfordern die Einrichtungen für die Unterkunft, Pflege und Be-handlung an Bord auch bei weitgehenden Ansprüchen ein sehr beschei-denes Maass von Geldaufwand. Dasselbe gilt von den technischenEinrichtungen, dem Raum und dem Personal gegenüber dem ganzen•übrigen Betrieb auf unseren grossen, modernen Schiffen. Es darf sichalso mindestens . auf diesen Schiffen nicht mehr darum handeln, dassdem allgemeinen Betrieb möglichst viele der von Alters her üblichenConcessionen in den Einrichtungen und Hilfsmitteln zur Krankenpflegean Bord gemacht werden. Das mag für ältere und kleinere Schiffe bis■zu einem gewissen Grade noch berechtigt sein. Auf den modernen Schiffenist es ohne Betriebsstörung und ohne unverhältnissmässigen Geldaufwandmöglich, die meisten Einrichtungen und Hilfsmittel, die in der Kranken-pflege auf dem Lande erprobt sind, auch an Bord einzuführen. Dassdas in immer grösserem Umfange geschehe, muss das Ziel der Kranken-•fürsorge an Bord sein.
Diese Grundsätze scheinen jetzt auch in den Kriegsmarinen der•grossen Kulturstaaten allgemeine Anerkennung gefunden zu haben. Esist aber noch nicht sehr lange her, dass man die Verhältnisse nachdiesem Maass zu beurtheilen angefangen hat.
Geschichtliche Studien über die Krankenfürsorge auf Kriegsschiffendes Alterthums und Mittelalters hat Rho angestellt. Aus dem Alter-■thum wissen wir über die Fürsorge für die Kranken und Verwundetenauf den Seezügen der Phönizier, Karthager, Griechen und Römer so gutwie nichts. Nach Rho wird von einzelnen Herrschern und Heerführernallerdings berichtet, dass sie sich auch über See von ihren Leibärztenhegleiten Hessen. Als erster Schiffsarzt könne, der Sage entsprechend,kein Geringerer als Aeskulap selbst durch seine Theilnahme an demArgonautenzuge gelten. Später hören wir nichts mehr über ärztlicheFürsorge an Bord bis zur Zeit der Römischen Kaiser, in deren Flottenbesondere Chirurgen thätig waren. Auf den Galeeren des Mittelalterswar, wie Rho berichtet, den Kranken und Verwundeten ein besondererPlatz im Vorderschiff, woselbst sich auch eine Wundarzneikiste befand,^vorbehalten. In den Kreuzzügen sorgten die Johanniterritter für die
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