Specielle Kranken Versorgung für Soldaten. (Beim Landheer, im Kriege.) 333
liehe Pflanzschule die Medicin und Chirurgie, sie war nicht nur von dergrössten Bedeutung für das Militärsanitätswesen, weil aus ihr die grossteMehrzahl aller Militärärzte hervorging, sie hatte auch eine allgemeineBedeutung in der Entwicklung der Medicin.
Mit dem Fall des alten Preussischen Soldatenthums mit Stock undZopf fiel auch das Feldscheererthum. Die Reorganisation der Armeenach dem Frieden von Tilsit und nach Einführung der allgemeinenWehrpflicht, nach welcher die Söhne des Volkes die waffentragendeMannschaft bildete, Hess der Krankenfürsorge und Krankenpflege derArmee grössere Sorgfalt angedeihen.
Die Berichte aus den Freiheitskriegen über Kriegssanität sind er-greifend und schildern das Elend der Verwundeten und Kranken. DieApparate waren zu schwerfällig, um rechtzeitig Hülfe zu bringen, einAufsuchen von Verwundeten während der Schlachten erwies sich als un-thunlich; 1813 werden die ersten Medicin wagen und Karren erwähnt,die hinter den Bataillonen zu bleiben hatten. Die Einrichtung vonTransportkompagnien geschah auf Anregung des Prinzen August vonPreussen im December 1813. Eine neue Dienstanweisung für Feld-lazarethe brachte das Jahr 1834.
Von dem Gedanken ausgehend, dass nur eine wissenschaftlicheSchulung der Militärärzte die Gewähr leiste, erspriessJich für das Heerzu wirken und eine angemessene Hülfe, ein jederzeit bereites technischund praktisch brauchbares Können für den kranken Soldaten zu ermög-lichen, musste die Hebung der Leistungsfähigkeit erreicht werden.
Nicht in einer cursorischen Dressur für die gerade ausreichendenBedürfnisse der Armee, sondern in ständiger breiter, allgemeiner ärzt-licher Bildung lag die Aufgabe der Zukunft.
Mit dem Augenblick, wo jeder Arzt des Heeres Gelegenheit hattesich das medicinische Wissen des Arztes anzueignen und die Verpflich-tung bestand, vor der Anstellung als Militärarzt und weiterer Beförderungdie Ablegung der allgemeinen vorgeschriebenen Staatsprüfung nachzu-weisen, war die Weiterentwicklung der militärischen Krankenpflege imFrieden und Kriege gesichert. Erst an die allgemeine ärztliche Bildungschliesst sich als Fachwissenschaft die Militärmedicin an. Seit demJahre 1852 konnte nur ein vorher approbirter Arzt Militärarzt werden.Seit dieser Zeit hat die jetztige Kaiser Wilhelm-Akademie gleichen wissen-schaftlichen Schritt mit der Berliner Universität gehalten. Die Leistun-gen der Aerzte, sagt Schickert, welche die Anstalten für das Heerbildeten, steigerten sich von Jahr zu Jahr.
Nachdem in Bayern 1850, Sachsen 1852, Hannover 1853 Kranken-trägerkompagnien eingerichtet waren, fand ihre endgültige Einführung inPreussen 1854 statt, aus ihnen entwickelten sich später die Sanitäts-detachements. Die Sanitätsdetachements gingen nach 1866 hervor ausder fahrenden Abtheilung der früheren schweren Feldlazarethe und denKrankenträgerkompagnien.
Nach einer langen Friedenszeit gaben die Feldzüge von 1864 und