Specielle Kränkenversorgimg für Soldaten. (Beim Landheer, iin Kriege.) 331
Kranke und Verwundete verbündeter Heere und die Kriegsgefangenennehmen an der Krankenpflege 1 ) Antheil. Eine geregelte Pflege ist abernur dann möglich, wenn die Thätigkeit der geschilderten Formationenund Organe rechtzeitig ineinandergreift, dass ein einheitliches Zusammen-wirken gesichert und jeder Zersplitterung vorgebeugt wird.
An das Vorangegangene schliesse ich einen ganz kurzen geschicht-lichen Rückblick auf die Kriegskrankenpflege, der auch in der Folge diewichtigsten ausserdeutschen Staaten umfasst.
Wenn die veränderliche Kriegskunst bedingt wird durch die Fort-schritte in Wissenschaft und Technik, so bietet die Entwickelung derKriegssanität den Beweis, dass sie es verstanden hat, sich den Ent-wicklungen auf den Kriegstheatern anzupassen und dass jeder Fort-schritt in der Krankenpflege und Krankenversorgung nutzbar gemachtworden ist für die Kriegsheilkunde.
Aendert sich der Charakter des Gefechts und der Kriegführung, nimmtdie Massenbaftigkeit der Geschosse und ihre Treffsicherheit zu, ver-grössern sich die Entfernungen, in denen die Feuerwirkung zur Geltungkommt, wird andererseits das Gefecht kürzere. Zeit dauern, als sonst,so muss die Kriegssanität dem Rechnung tragen.
Der Entwicklung der Heere gemäss ist die Geschichte der Heeres-krankenpflege recht eigentlich eine Geschichte ihrer Kriegssanität. Dieeinzelnen Phasen in der Entwicklung lassen sich bei allen Armeen wäh-rend der Kriege am besten kennzeichnen. Immer sind und in Deutsch-land ganz besonders nach den Kriegen neue Organisationen der Heeres-sanität erfolgt, die ihren Einfluss auf die Friedenssanität in wirksamerWeise hatte.
Die ersten Militärärzte waren in der Stellung von Leibärzten. Beiden Römern werden Valetudinarien erwähnt, die Feldscheerer der Lands-knechthecre waren Gehülfen der Feldärzte. Eigentlich Militärärzte gabes erst seit 1597 unter Heinrich IV. von Frankreich, der die Militär-lazarethe gründete.
Im Preussischen Heer werden seit 1630 Regimentsscheere aufge-führt. Unter dem grossen Kurfürsten gab es bei jedem Armeecorpseinen Medicus de cornu. Die Chirurgie bei den Regimentern lag in denHänden der Feldscheere. Abraham a Gehema geisselt in seiner bekanntenSchrift 1690 die Unwissenheit der Feldscheere und tritt dafür ein, dasskranke Soldaten durch einen inneren Arzt behandelt werden sollen, dieFeldscheere sollten wissenschaftlich weiter gebracht, auf diese Weisekönne auch die Chirurgie mit der Medicin vereinigt werden. 1788 wur-
x ) Pflege und Versorgung findet wie im Frieden statt. In den Gefangenen-Baracken-Lagern finden besondere Barackenlazarethe Verwendung, oder die Krankenwerden den sonstigen Militarlazarcthen zugewiesen.
Die Behandlung erkrankter Soldatenfrauen und Kinder findet unentgeltlich wäh-rend des Feldzuges wie im Frieden entweder durch Militärärzte oder vertragsmässigverpflichtete Civilärzte statt.