Druckschrift 
2,2 (1903)
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298 Heibig,

Beförderung im Beurlaubtenstande verzichten, zulässig. Erstere habennämlich im Laufe ihrer weiteren Dienstzeit voraussichtlich Gelegenheit,den Truppendienst practisch kennen zu lernen, und letztere kommenselbst im Kriegsfalle nur in Stellungen, wo die beim Waffendienste undbei der „theoretischen Instruction" erworbenen Kenntnisse allenfalls aus-reichen. Dagegen wird ein späterer Sanitätsofficier des Beurlaubten-standes nur durch Einstellung als einjährig freiwilliger Arzt bei einemTruppentheile und durch Theilnahme an Truppenübungen die nöthigeAusbildung erlangen. Um letztere handelt es sich wesentlich, dennlediglich wegen erlangter militärischer Dienstkenntniss und nur inseltenen Ausnahmefällen wegen hervorragender wissenschaftlicherLeistungen wird ein Arzt des Beurlaubtenstandes befördert. Dabei er-scheint es verkehrt, obwohl diese Ansicht selbst in Fachzeitschriftenhin und wieder vertreten wird, von jedem militärischen Krankenhausezu fordern, dass es eine Stätte klinischer Lehr- und Lernthätigkeitbilde. Denn die kleineren Garnisonlazarethe, welche die Mehrzahl dermilitärischen Krankenhäuser bilden, kommen schon deshalb nicht alsklinische Anstalten in Betracht, weil schwere und wichtige Fälle unterden jungen und sorgsam ausgelesenen Mannschaften des FriedensheeresAusnahmen sind. Dagegen finden selbst in kleinen Garnisonen die ein-jährig freiwilligen Aerzte bei der Truppe Gelegenheit zur Aneignung dereinem Sanitätsofficiere des Beurlaubtenstandes im Kriege bedürftigenDienstfertigkeit.

Bei den zur Fachausbildung von Militärärzten in allen Staatengetroffenen Einrichtungen bildete früher — abgesehen von der Dienst-kenntniss ■— die Kriegschirurgie den fast ausschliesslichen Lehrgegen-stand. Seit der Mitte dieses Jahrhunderts kam die Gesundheitspflegehinzu, in welcher die Englische militäräztliche Schule zu Netley nichtnur die ärztlichen Fakultäten Grossbritanniens überragt, sondern auchausserhalb dieses Landes als Muster einer medicinischen Lehranstaltgilt. Im letzten Jahrzehnte schloss sich an die Gesundheitslehre dieBakteriologie als selbstständige Disciplin an. — In Deutschlandlegi man bezüglich der militärztlichen Fachbildung zur Zeit das.Hauptgewicht auf die Fortbildungscurse, von denen solche fürAssistenzärzte des Beurlaubtenstandes alljährlich an den Universitätenzu Bonn, Breslau, Freiburg, Giessen, Göttingen, Greifswald, Halle,Königsberg, Marburg, Rostock, Strassburg stattfinden. Hieran neh-men auch Assistenzärzte des Friedensetats Theil. Ausserdem werdenalljährlich drei Curse von je dreiwöchiger Dauer zu Berlin, Münchenund Dresden abgehalten und zwar je einer für active Oberstabsärzte,Stabsärzte und Assistenzärzte. Lehrgegenstände sind dabei — ausserder Kriegschirurgie — innere Kriegsheilkunde, Gesundheitspflege,Bakteriologie und andere ausgewählte Gebiete der Medicin. Ferner sindnoch vorhanden die Instructionscurse für einjährig freiwillige Aerzte undUnterärzte, die Commandos an wissenschaftliche Anstalten zur Ausbil-