Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
288
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288 Heibig,

die Einführung einer dritten Jahresabmessung (neben dem Kalender-und dem Etatsjahre) hinsichtlich der Vergleichbarkeit mit der Heeres-statistik anderer Länder und mit der Marine- und Oivilstatistik bedingt.Möglicher Weise findet dieser Uebelstand über lang oder kurz dadurchErledigung, dass man in Deutschland wiederum das Etatsjahr mit demKalenderjahr zusammenfallen lässt, wenn der Grund der geschehenenAuseinanderlegung, nämlich plötzliche Heeresvermehrung, einst wiederin Wegfall kommen wird. Von Einzelheiten seien aus dem erwähnten,256 Quartseiten Text und 271 Seiten Tabellen umfassenden Berichtfolgende hervorgehoben:

Die Heeresdurchschittsstärke stieg in der Berichtzeit von505 811 auf 518 644 Mann. Die jährliche Erkrankungsziffer, welcheim vorletzten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts etwa 900 pM. der Kopf-stärke betragen hatte, fiel 1895/6 auf 749,1 (worunter 273 pM. Lazareth-kranke), den niedrigsten Stand, solange eine Berichterstattung impreussischen Heere besteht. Die zum Vergleiche herangezogenen beidenbayerischen Corps weisen ungünstigere AVerthe, nämlich 1138,1 und907,5 auf. Der durchschnittliche tägliche Krankenstand betrug 1895/6nur 28,2 pM. der Kopfstärke (gegenüber etwa 30 im vorigen Jahrzehnt).Davon kamen 17,9 auf das Lazareth und 10,4 pM. auf das Revier;ein Lazarethkranker war durchschnittlich 22,1, ein Revierkranker 7,jeder Kranke überhaupt 13,2 Tage in Behandlung. Der Ausfall anDiensttagen betrug im Durchschnitte für jeden Mann 10,3 Tage,wovon 6,5 auf das Lazareth und 3,8 auf das Revier entfielen. Von jetausend Behandelten starben 1894/5 nur 2 pM., im folgenden Jahre 2,3 pM.

Die Zahl der Todesfälle sank in den beiden Jahren 1894/5 und1895/6 auf 2,5 und 2,6 vom Tausend der Kopfstärke. In den letzten23 Jahren verminderte sich diese Zahl um 61,2 pCt.; sie betrug 1873/4noch' 6,7. — An Selbstmord entfiel in beiden Jahren 1894/6 je 0,46 pM.der Kopfstärke, auf tödtliche Unfälle 0,28 und 0,32 pM.

Von sanitären Maassnahmen führt der Bericht ausser derErrichtung von 11 neuen Garnisonlazarethen und 19 Erweiterungsbautendie Eröffnung zweier Laboratorien für Röntgen-Aufnabmen in Berlin,die Einführung von mehreren Anstalten für medicomeohanische Be-handlung und die Herstellung zweier Genesungsheime an. FernerwerdenVerbesserungen bei der A r erpfiegung, Trinkwasserversorgung und Abfall-beseitigung, insbesondere die versuchsweise Erbauung einer Feuerlatrinenach Weyl-Arnheim's System in Nedlitz, erwähnt. — Die Brausebade-anstalten wurden derart vermehrt, dass „jetzt fast überall" jederMann auch im Winter baden kann. —■ In mehr als 70 Garnisonenwurden neue Casernements errichtet. Von grundsätzlicher Bedeutungerscheint das Absehen von der bisherigen „kasernenmässigen" Massen-unterbringung in grossen Gebäuden, an deren Stelle einzelne Blocks oderBaracken unter Trennung der Wohnhäuser von den Dienstgebäudentreten sollen.

Von den zahlreichen Zifferangaben über die einzelnen Krankheits-