252 lloth, Speoielle Kranken Versorgung für Unbemittelte.
Wenn zugegeben werden muss, dass der Arzt einen der wichtigstenFactoren der hygienischen und socialen Organisation darstellt, dass ohnedie bereitwillige Mithilfe der Aerzte in ihrer Gesammtheit alle prophy-laktischen Maassnahmen mehr oder weniger erfolglos bleiben, dass ihreThätigkeit nicht damit erschöpft sein darf, bei ausgebrochener Krankheitdem Kranken ihre Hilfe zu bringen, sondern dass sie ihre Thätigkeit inden Dienst der Gesundheitspflege zu stellen und ihre Anordnungen da-hin zu erweitern haben, dass die Familie und weiterhin die Gesammtheitvor Schaden möglichst bewahrt bleibt, so kann andererseits nicht ge-leugnet werden, dass auf Seiten der Aerzte nach dieser Richtung hinnicht immer dasjenige Verständniss gefunden wird, wie es in Berücksich-tigung des dem Gemeinwohl dienenden Zweckes der hier in Frage kom-menden Maassnahmen erwartet werden sollte. Je mehr der Arzt beiseinem Handeln sich von Rücksichten der öffentlichen Gesundheit leitenlässt, um so sicherer wird in jedem einzelnen Falle eine Verbreitung ver-meidbarer oder übertragbarer Krankheiten verhütet werden, und um so er-folgreicher werden die behördlicherseits anzuordnenden Maassnahmen sicherweisen. Dies gilt namentlich auch hinsichtlich der Kassenärzte, derenMitwirkung um so werthvoller und erspriesslicher sich gestalten wird,je mehr die hygienische Seite der kassenärztlichen Thätigkeit zur Geltungkommt, und je mehr die Kassenärzte ihre Aufmerksamkeit auf die denMitgliedern der Krankenkassen in den verschiedenen Gewerbebetriebendrohenden Schädlichkeiten richten.
Hierzu die Aerzte zu erziehen, muss für eins der vornehmsten Zieledes ärztlichen Unterrichts und weiterhin für eine der dringendsten Auf-gaben des ärztlichen Vereinslebens und der ärztlichen Standesvertretungerachtet werden.