Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
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250
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250 Roth,

Wer öfter Gelegenheit hatte, die Speisezettel für Volksküchen undSuppenkiichen, aber auch diejenigen in Krankenhäusern, Waisenhäusern,Siechenhäusern und Armenhäusern einzusehen, wird zugeben, dass dieErnährung hier vielfach eine unrationelle oder auch eine unzureichendeist. Für um so nothwendiger muss eine Oontrole nach dieser Richtungerachtet werden.

Eine ganz besondere Berücksichtigung verdient die Frage desAlkoholmissbrauchs und seine Verbreitung unter der ärmeren Bevölkerung.Die Bestrebungen, diesem Alkoholmissbrauch entgegenzuwirken, sind vonum so grösserer socialhygienischer Bedeutung, als der Branntweinmiss-brauch unbestritten die häufigste Ursache wirthschaftlichen, physischenund moralischen Elends gerade in den bedürftigsten Klassen darstellt,wie es andererseits keinem Zweifel unterliegt, dass die Armenpflege inEngland durch die dort in gewaltiger Zunahme begriffene Mässigkeits-bewegung, die in fast allen Städten und vielfach auch auf dem Landevorhandenen temperance hoteis und die nicht bloss unter den erwachsenenArbeitern, sondern auch unter der Jugend bestehenden Mässigkeitsvercinc(bands of hope) ausserordentlich unterstützt wird, JSeben der Gemeinde-Diakonie und der Vereinsthätigkeit sind vor Allem die Aerzte zur Mit-arbeit auf diesem Gebiet berufen. Auch hat sich als ein äusserst werth-volles Mittel im Kampfe gegen den Alkoholismus die Schule erwiesen,die deshalb mehr wie bisher zur Mitarbeit an dieser socialen Aufgabeheranzuziehen ist, indem die Schüler über die Entbehrlichkeit . desAlkohols als Nahrungs- und Genussmittel, sowie über die grossenGefahren des Alkoholmissbrauchs in geeigneter Weise belehrt werden.Freilich darf über allen diesen Maassnahmen nicht das Wichtigste, daseigene Beispiel, vergessen werden.

Weiterhin sind es die Armenhäuser und Hospitäler, die nachWohnungsbeschaffenheit und Verpflegung der Insassen, die communalenEinrichtungen für Sieche und Waisen, die Herbergen und Massen-cmartiere, die Natural-Vcrpflegungsstationen, das Schlaf- und Kostgänger-wesen, insofern sie hauptsächlich auf die ärmere Bevölkerung Bezughaben, die in das Bereich der communalen Hygiene fallen.

Da, wo die häuslichen Verhältnisse der ärmeren Bevölkerungden nothwendigsten Forderungen der Hygiene an ein gesundes Wochen-bett nicht entsprechen, wird es die Aufgabe der communalen und Kreis-verbände sein, auf die Errichtung von Heimstätten für Kreissende undAVöchnerinnen Bedacht zu nehmen, unter gleichzeitiger Bereitstellungder zur Fortführung des Haushalts erforderlichen Hauspflegerinnen.

Endlich sind die Veranstaltungen der privaten Armenpflege, desVaterländischen Frauenvereins, der Frauen- und Männer-Hilfs- undPflegevereine vom Rothen Kreuz, der kirchlichen und Vereins-Armen-pflege mit ihren auf die Hebung der Volksgesundheit und der Volks-wirthschaft gerichteten Bestrebungen mit allen Mitteln zu fördern undder vorbeugenden Armenkrankenpflege nutzbar zu machen.

Eine Thätigkeit des Communalarztes, die noch besonderer Er-