178 Feilchonfeld, Specielle Krankenversorgung' für Schüler und Waisen.
Ein Ordinationszimmer für den Arzt mit der nöthigen Ausstattungund Hausapotheke etc. gehört ferner ins Lazarett, ebenso ein eigenerDesinfectionsapparat, in dem Wäsche und Kleidung, auch event. grössereStücke desinficirt werden können; letzteres vertheuert den Apparat aller-dings sehr und könnten daher zweckmässiger Weise grössere Gegenständean die benachbarten communalen Desinfectionsanstalten, die jetzt ja nachund nach an den meisten grösseren Orten eingerichtet Werden, abgegebenwerden.
Eigene Wäsche und eigene Krankenkleidung für die Krankenabthei-lung ist auch dringend erforderlich; besondere lange Uebermäntel sindin den Hausfluren vor den Scharlach- und Diphtherieabtheilungen für denArzt vorräthig zu halten.
In grösseren Lazarethen ist eine eigene Küche für das Spital zweck-mässig, da eine besondere Kost nach Anordnung des Arztes doch noth-wendig ist; in kleineren Krankenabtheilungen müssen wenigstens gut ein-gerichtete „Theeküchen" vorhanden sein, in denen auch mancherlei Speisenfür die kleinen Patienten schnell bereitet werden können.
Zur Leetüre dürfen den Kindern nur Bücher gegeben werden, diein der betreffenden Krankenabtheilung verbleiben, da eine sichere Des-inficirung von Büchern überhaupt nicht möglich ist. Dukes 1 ) empfiehlt,um jede Verwechselung auszuschliessen, die Bücher, die Kindern in denverschiedenen Krankheiten gegeben werden sollen, verschieden binden zulassen: scharlachroth für Scharlach, gelb für Frieseln, blau für Masern,grün für Roseolen, weiss für Keuchhusten, schwarz für Windpocken, braunfür Mumps.
Wenn die aufgeführten Einrichtungen auch im Allgemeinen den Be-dürfnissen der Alumnate, Waisenhäuser u. s. w. entsprechen dürften, sowerden sich doch noch für manche Anstalten besondere Einrichtungenals nöthig herausstellen und gewisse Abweichungen von der aufgestelltenNorm erforderlich sein, so werden z. B. in Idiotenanstalten, die dochauch zu den Internaten gehören, besondere Abtheilungen 2 ) für tuberkulöseKinder einzurichten sein.
Wir haben so gesehen, was für eine geordnete Krankenfürsorge undKrankenpflege in Schulen und Internaten in Deutschland bisher geschehenist und noch geleistet werden müsste. Wenn regelmässig nach einemgemeinsamen Schema in allen Instituten eine genaue Krankenstatistikgeführt und veröffentlicht würde, wäre eine gesetzliche Ordnung derKrankenpflege in denselben wohl bald zu erzielen.
!) 1. o. S. 380.
2 ) Zeitschrift f. d. Behandlung Schwachsinniger und Epileptiker 1894. Wulff.