Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
158
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158 Feilchenfeld,

Umstand, dass immer zwey und zwey in einem Bette liegen mussten."Von ca. 450 Zöglingen starben 1742: 58, 1743: 33, 1744: 22, 1745:82, meist in Folge von Masern undFaulfieber". 1746 wurden beson-dere Einrichtungen getroffen für die Verpflegung und Heilung der Kran-ken, die Kinder wurden dabei nach der Religion getrennt! in8 Krankenstuben untergebracht, die allerdings meist nicht ausreichten;mehrere Wärterinnen wurden angestellt, die in kleinen Kammern nebenden Krankenzimmern wohnten; eigene Kleidung, Betten und Wäsche wurdefür die Kränkenstation besorgt und besondere Beköstigung nach Vor-schrift des Arztes. In der sogenannten neunten Krankenstube unter-richtete ein Informator die mit Ausschlag Behafteten und hielt dortselbstmit den Kranken Betstunden. Der Arzt hatte die Pflicht, die krankenKinder 2 mal. täglich zu besuchen, wenn nöthig auch Nachts. 1780 wurdefür die Anstalt (damals in Annaburg) ein abgesondert gelegenes Kranken-haus mit völlig neuer Ausstattung erbaut. Arzt und Feldscher hattenin demselben Wohnung, ein Badezimmer war vorhanden und 10 Kranken-stuben, je 10 Ellen lang und 9 Ellen breit; aber die Zimmer waren sehrfeucht und neben dem Hause verpestete ein Graben, der stagnirendesWasser enthielt, die Luft. Im Monate Junius 1762 ermannte sich einneu ernannter Anstaltsarzt zu einer energischen Massregel, indem er mitallen Insassen für mehrere Wochen einLager" bezog, und in dieserZeit das Haus mit allem Inventar gründlich reinigen liess; das Kranken-haus liess er ganz neu weissen, Ventilatoren und Schieber in den Zim-mern anbringen, das Leichenbehältniss aus dem Hause entfernen, undim ganzen Hause für Einzelbetten sorgen, welch' letzteres aber erst bis1792 durchgeführt war. So wurde eine Besserung der schlimmen Ver-hältnisse herbeigeführt. Immerhin blieb noch lange die Sterbe- undKrankenziffer eine ziemlich hohe: 177281 starben von 3928 Zöglingen91, 178291 von 4676: 56, 17921801 von 5269: 73. Der täglicheKrankenbestand schwankte 178291 von 55210, 17921801 von58223. Der damalige Arzt fügt dem Berichte hinzu:Eine nicht ge-ringe Zahl der Verstorbenen würde wahrscheinlich noch leben, wenn siesich in der Zeit auf dem Krankenhause gemeldet hätten. So habe ichselbst in den wenigen Jahren meines Hierseins drey sonst gute Kindersterben sehen, weil sie ihre Krankheit oder Beschädigung, so lange esihnen nur möglich war, verheimlicht hatten."

Besondere Aerzte und geordnete Krankenpflege wurde auch andern-orts zu jener Zeit bereits in Waisenhäusern verlangt. In der Ordnung 1 )der Realschule im Waisenhause zu Braunschweig von 1754 heisst es:§ 46. Für die Kranken ist nicht nur eine besondere Krankenstube an-gelegt, sondern auch eine besondere Wärterin angenommen, die ihrer auf'sbeste pflegt. Das AVaysenhaus hat auch seinen besonderen Medicumund chirurgum, die sich der Kranken möglichst annehmen. Ihre mühe

x ) Mon. German. paedagog. Bd.'I. Schulordnungen der Stadt Brauhsehweig.Koldewey. 1886.