Specielle Krankenversorgung für Schüler und Waisen. 155
der Notwendigkeit befreien, bei einer entstehenden Krankheit schnelleinzugreifen und das Kind aus der Schule zu weisen. In der Vorredeeiner kurzgefassten Anleitung 1 ), welche in Brüssel seit 1888 den Schul-leitern und Lehrern in die Hand gegeben wird, heisst es: la transmissiondes maladies contagieuses etant frequente dans les ecoles, et les mede-cins inspecteurs ne pouvant pas toujours renvoyer assez tot chez leursparents les enfants dont la presence est un danger pour leurs condisci-ples, il est indispensable de mettre les directeurs et les instituteurs ämeine de reconnaitre ä leur debut l'existence de ces affections. In dieserkleinen Anleitung werden kurz die Hanpterscheinungen, zumal die An-fangssymptome der wesentlichsten Kinderkrankheiten, besprochen: Infec-tionskrankheiten, Granulöse, Epilepsie, Chorea, Convulsionen, Scabies.Favus, Herpes tonsurans, pelade. In Antwerpen wird den Schulärztenzur Pflicht gemacht, die Lehrer in diesen Dingen zu unterrichten; § 7ihres Reglements lautet: les membres du personnel enseignant sont misen position de reconnaitre rapidement les maladies transmissibles, d'abordpar la distribution qui leur est faite d'une brochure indiquant les Pre-miers symptömes de ces maladies, ensuite par des Conferences quo leurdonne le medecin-inspecteur.
In Oesterreich wird durch einen Erlass des Ministers für Kultus undUnterricht die Gesundheitspflege an Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungs-anstalten zu einem besonderen Lehrgegenstande gemacht; die Berufs-krankheiten, Schulkrankheiten, Infectionskrankheiten sollen besprochenwerden, dabei soll auch betreffs Behandlung der Schulkrankheiten dasfür den Lehrer Wichtige gelehrt werden; weiter soll Unterricht ertheiltwerden in der ersten Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen.
Bei uns in Deutschland kennen wir Aehnlicb.es nicht, wenn auchneuerdings an einzelnen Orten, in denen Schulärzte angestellt sind, vondiesen Gleiches wohl erstrebt wird. Die Ausbildung der Lehrer mussunbedingt allgemein auch auf die Hygiene der Schule — was bishernoch nicht der Fall ist — und auf einige nothwendige medicinischeKenntnisse ausgedehnt werden, wie wir solches auch bereits an andererStelle 2 ) ausführten. Daneben müssten Samariterkurse, wie sie heutzu-tage ja allerorten abgehalten werden, besonders für Lehrer mit Berück-sichtigung der für die Schule wichtigen plötzlichen Erkrankungen ein-gerichtet werden; keine Schule sollte ohne mehrere derartig ausgebildeteLehrer sein; für alle Turnlehrer sollte eine solche Ausbildung obliga-torisch sein.
x ) Hygiene scolaire. Instructions sommaires sur les premiers symptömes desmaladies transmissibles formulees ä l'usage du personnel enseignant des ecoles com-munales par le Service d'hygiene de la ville Bruxelles 1888.
2 ) "W.< Feilchenfeld, Der Arzt in der Schule. S. 666. Samml. Min. Vorträge.Neue Folge. 76. 1893.