Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
154
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154 Feilohenfeld,

massig zusammengestelltem Inhalte und Anweisung in jeder Schule sichvorfände; zumal jetzt noch mehr als früher auf Turnen und Turn-spiele in der Schule AVerth gelegt wird, erscheint eine solche Vorsorgebesonders nothwendig. Auch Wehmer 1 ) tritt für diese Forderung ein.Der Inhalt der Kästen und die Anwendung würde ähnlich wie in Parisgewählt werden können, wenn auch zweckmässiger Weise einzelne kleineAenderungen dabei gemacht werden dürften.

Für die Krankenversorgung innerhalb der Schule kommen weitereinige Krankheiten in Betracht, welche, obwohl infectiös, doch in Folgeihrer weiten Ausbreitung und auch ihres chronischen Verlaufes ein Aus-schliessen aller daran erkrankten Kinder von der Schule unmöglichmachen. Dazu gehört die Granulöse. In den meisten Gegenden Deutsch-lands kommt dieselbe glücklicher AVeise so selten vor, dass man sehrwohl die vereinzelten Fälle von der Schule fern halten und so die Um-gebung vor Ansteckung schützen kann; anders aber in manchen west-lichen Provinzen Deutschlands, in vielen Theilen Russlands und anderenLändern. Wenn dort ein hoher Procentsatz der Bevölkerung an Trachomerkrankt ist, würde ein Fernhalten der kranken Kinder von der SchuleSchulschluss für lange Zeit bedeuten, ohne aber meist eine Besserungder Epidemie herbeizuführen. Alan hat daher ebenso wie bei derrussischen und österreichischen Armee besondere Trachomabtheilungenmit eigenen Kasernen gebildet wurden auch eigene Trachomklassenfür kranke Schüler vorgeschlagen und gerade in diesem Jahre solltensolche in Ostpreussen geschaffen werden. Eine äugen ärztliche Behand-lung liesse sich zweckmässig im Anschluss an solche Klassen einrichten.In Frankreich herrschte einige Zeit an vielen Orten unter den Schülernepidemisch eine Haarkrankheit (Alopecie la pelade), welche weit umsich griff. Auch hier begann man, um einer weiteren Ausbreitung derKrankheit vorzubeugen, besondere Schulen für die erkrankten Kinder zureserviren, so in Paris 1894 eine Krankenhausschule Lailler mit 2 Ab-theilungen für Kinder mit Tinea tondens und mit pelade und Favus.Dort, wo die Krankheit, nicht so ausgebreitet war, dass besondere Schulenoder Klassen eingerichtet werden konnten, wurde eine strenge Trennungder kranken Kinder von den gesunden erzwungen; zugleich mussten diekranken nach dem A r orscblage von Dr. Dubois-Havenith dauernd auchwährend des Unterrichts eine gut abschliessende Kopfbedeckung tragen.

Abgesehen von solchen vereinzelten Fällen aber wird man natürlichstrengstens daran festhalten müssen, dass sofort bei Beginn einer an-steckenden Krankheit das Schulkind aus der Schule entfernt wird. Dazuaber gehört nothwendig, dass bei den Lehrern ein gewisses Verständnissfür die Initialerscheinungen der hauptsächlichsten Krankheiten vorhandenist, so dass sie schnell genug in der Lage sind, eine Krankheit alssolche erkennen und die Zurückweisung der Schüler anordnen zukönnen. Auch das Bestehen von Schulärzten kann ctie Lehrer nicht von

1 ) R. AVehmer, Grundriss der Schulgesundheitspflege etc. 1895. Berlin.