Specielle Kranlcenversorgung für Schüler und Waisen. 153
Wunden. Wenn die Blutung eine lebhafte ist, so muss vor dem Auf-legen des definitiven Verbandes die AYunde mit einem Stück Schwamm,der mit carbolisirtem Glycerin getränkt ist, bedeckt werden. Die tiefenWunden können durch Blutungen, die in Verletzung einer Schlagaderihre Ursache haben, gefährlich werden. Glücklicher Weise kommt dieserFall nur selten vor; man wird eine solche Verletzung am stossweisenAusfluss licllrothen Blutes erkennen. Ohne einen Augenblick zu ver-lieren, drücke man die Wunde kräftig zu, indem man einen Bausch vonWatte auf dieselbe legt und diesen durch eine kräftig zugezogene Bindebefestigt.
Nasenbluten.
Hier ist reichliches Waschen der Nase mit kaltem Wasser oder,wenn dieses nicht hilft, Verstopfen der Nasenlöcher zu empfehlen. Letz-teres geschieht mit einem Schwamm, der in Theüchen von der Dickeeines starken Federkieles geschnitten ist. Man tränke diese Stücke mitcarbolisirtem Glycerin, tauche sie in Eisenchloridlösung und führe sie indas Nasenloch ein. Zu diesem Zwecke erhebe man die Spitze der Naseso weit, dass die Einführung nicht von unten nach oben, sondern Avagc-recht geschehen kann. Sodann empfehle man dem Kinde, den Kopfetwas nach vorn geneigt zu halten, um die Gerinnung des Blutes zu be-günstigen und um das Ausfliessen desselben in den Mund zu verhindern.
Ohnmacht.
Das Kind fällt um, und bleibt ohne Bewegung liegen, sein Gesichtwird blass, Athmung und Blutumlauf scheinen aufgehört zu haben. Manlege dasselbe auf den Boden, so dass der Kopf mit dem Körper in der-selben Höhe liegt. Darauf lockere man die Kleider und entferne Alles,Avas die Athmung behindern kann. Auf das Gesicht wird ein in kaltesWasser getauchtes Tuch gelegt. Man lasse Essig oder einige TropfenAether einathmen und gebe, sobald das möglich wird,. Zuckerwasser zutrinken, dem Pfefferminztropfen beigemischt sind.
Auch in Elberfeld 1 ) wurden auf Beschluss der städtischen Sanitäts-commission 1895 sämmtliche Schulen mit einem Verbandkasten versehen,in dem einige sterilisirte Verbandsachen und eine kurze Gebrauchsanwei-sung dazu sich befindet. Veranlassung dazu war ein Fall von Blutver-giftung nach einer kleinen Verletzung, welche der Lehrer mit einemschmutzigen Tatelsohwamm ausgewischt hatte, und ein Fall von Erysipelnach einer Verletzung, in dem Mitschüler mit einem unsauberen Tuchedie Wunde ausgewaschen hatten. Ein ähnliches „Sanitätskästchen" mitAnleitung wie in Paris besitzen seit einigen Jahren auch die öffentlichenSchulen von Basel, seit 1895 die in Zürich; in AVien haben einige Schulenseit 1896 einen sogenannten Nothapparat für plötzliche Unfälle in Schulen.Es wäre dringend wünschenswert!!, wenn ein solches Kästchen mit zweck-
!) Zeitschi', f. Schulgesundheitspflege 1895. S. 282.